Full text : Lehrbuch der Geburtshülfe für die Preußischen Hebammen.

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3.  Zu  schmerzhafte  Wehen.

g.  214.

Bisweilen  sind  die  Wehen  ungewöhnlich  schmerzhaft,  dabei
kurz  und  von  geringer  Wirkung;  die  Gebärende  empfindet  den  Schmerz
schon  im  Beginne  der  Zusammenziehung,  selbst  noch  ehe  die  Erhärtung
  der  Gebärmutter  äußerlich  fühlbar  geworden  ist;  der  Grad  der
Erhärtung  entspricht  durchaus  nicht  der  Lebhafrigkeit  des  Schmerzes.
Man  beobachiet  diese  Regelwidrigkeit  am  häufigsten  in  der  Eröffnungszeit,
  bei  empfindlichen  Personen,  jungen  und  zarten  Erstgebärenden.
  Die  Hebamme  sorge  hier  für  eine  bequeme  Lage  der  Gebärenden,
  verbiete  ihr  alles  Mitarbeiten,  suche  ihr  Gemüth  durch
freundlichen  Zuspruch,  zu  beruhigen  und  gehe  bei  der  Untersuchung
so  schonend,  wie  möglich  zu  Werke.  Ueber  den  Leib  lege  sie  einen
warmen  Umschlag  oder  warme  Tücher.  Helsen  diese  Mittel  nicht
bald,  so  rufe  sie  einen  Arzt.

S.  215.

Der  Regel  nach  ist  die  Gebärmutter  während  der  Wehe  wenig
und  in  der  Zwischenzeit  der  Wehen  gar  nicht  empfindlich  gegen  leisen
Druck.  Zuweilen  aber  wird  die  Gebärmutter  im  Laufe  der
Geburt  sehr  empfindlich  gegen  Berührung,  die  Wehen  sind
schmerzhaft  und  unwirksam.  Am  häufigsten  trägt  Beckenenge
die  Schuld,  in  Folge  deren  die  mütterlichen  Weichtheile  einer  stärkeren
  Quetschung  ausgesetzt  sind.  Meistens  ist  dabei  die  Körperwärme
  meßbar  erhöht.  Immer  ist  alsdann  die  Hülfe  eines
Arztes  nöthig.  Die  Hebamme  darf  hier  noch  weniger,  als
bei  der  einfachen  Ermüdung  der  Gebärmutter  Mittel  anwenden,
  um  die  Wehen  zu  verstärken,  oder  die  Gebärende
zum  Mitpressen  auffordern.

S.  216.

Die  Schmerzhaftigkeit  und  Unwirksamkeit  der  Wehen  kann  auch
durch  die  Ausdehnung  der  Harnblase  bei  Harnverhaltung
bedingt  sein  (s.  o.  §.  99.).  Wird  die  gefüllte  Blase  nicht  bald  ent-