— 158 —
3. Zu schmerzhafte Wehen.
g. 214.
Bisweilen sind die Wehen ungewöhnlich schmerzhaft, dabei
kurz und von geringer Wirkung; die Gebärende empfindet den Schmerz
schon im Beginne der Zusammenziehung, selbst noch ehe die Erhärtung
der Gebärmutter äußerlich fühlbar geworden ist; der Grad der
Erhärtung entspricht durchaus nicht der Lebhafrigkeit des Schmerzes.
Man beobachiet diese Regelwidrigkeit am häufigsten in der Eröffnungszeit,
bei empfindlichen Personen, jungen und zarten Erstgebärenden.
Die Hebamme sorge hier für eine bequeme Lage der Gebärenden,
verbiete ihr alles Mitarbeiten, suche ihr Gemüth durch
freundlichen Zuspruch, zu beruhigen und gehe bei der Untersuchung
so schonend, wie möglich zu Werke. Ueber den Leib lege sie einen
warmen Umschlag oder warme Tücher. Helsen diese Mittel nicht
bald, so rufe sie einen Arzt.
S. 215.
Der Regel nach ist die Gebärmutter während der Wehe wenig
und in der Zwischenzeit der Wehen gar nicht empfindlich gegen leisen
Druck. Zuweilen aber wird die Gebärmutter im Laufe der
Geburt sehr empfindlich gegen Berührung, die Wehen sind
schmerzhaft und unwirksam. Am häufigsten trägt Beckenenge
die Schuld, in Folge deren die mütterlichen Weichtheile einer stärkeren
Quetschung ausgesetzt sind. Meistens ist dabei die Körperwärme
meßbar erhöht. Immer ist alsdann die Hülfe eines
Arztes nöthig. Die Hebamme darf hier noch weniger, als
bei der einfachen Ermüdung der Gebärmutter Mittel anwenden,
um die Wehen zu verstärken, oder die Gebärende
zum Mitpressen auffordern.
S. 216.
Die Schmerzhaftigkeit und Unwirksamkeit der Wehen kann auch
durch die Ausdehnung der Harnblase bei Harnverhaltung
bedingt sein (s. o. §. 99.). Wird die gefüllte Blase nicht bald ent-