Full text : Geschichte der Hohenzollern.

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Diesen  Punkt  betreffend,  glaubte  ich  nicht,  daß  ein  Koͤnig  von  Preußen  zarte
Ruͤcksichten  fuͤr  eine  Mademoiselle  Poisson  zu  nehmen  hat,  zumal  wenn  sie
arrogant  ist  und  es  an  dem  gekrönten  Häuptern  schuldigen  Respekt  fehlen  läßt.“

Der  bittere  Ton,  der  in  diesen  Mittheilungen  herrscht,  und  gar  sehr  von
dem  leichten  Spott  der  früheren  Zeiten  abweicht,  giebt  uns  ein  Bild  von  der
düsteren  Stimmung  des  Herrschers  in  dieser  sorgenvollen  Zeit,  von  seinem  Urmuth,
  den  Schlägen  des  Unglücks  gegenüber,  dem  sich  sein  von  edlem  Stolze
gehobener  Charakter  nicht  unterwerfen  will.

Noch  hatten  sich  die  Unfälle  für  ihn  nicht  erschöpft.  Schwere  Verluste
bedrohten  ihn  vornehmlich  in  Schlesien.  Hier  befand  sich  zu  Anfang  des  Jahres
nur  eine  geringe  Zahl  von  Truppen;  der  König  hatte  sich  hauptsächlich  auf  die
Besatzungen  der  festen  Plätze  verlassen  müssen.  Laudon  hatte  den  Auftrag,  von
dieser  Seite  hier  in  Friedrichs  Gebiet  einzudringen.  Ueberall  auf  der  Lauer,
wo  er  vereinzelten  Haufen  Schaden  bringen  könnte,  benutzte  er  auch  eifrig  die
Gelegenheit,  als  das  pommersche  Infanterieregiment  von  Manteuffel  seine  Cantonnirungsquartiere
  unweit  der  Festung  Neisse  verließ,  um  die  Unfälle  der
preußischen  Truppen  vom  vorigen  Jahre  durch  einen  neuen  Fang  zu  wiederholen.
  Diesmal  aber  war  die  Hoffnung  vergebens,  denn  die  tapfern  Pommern
erwiederten  die  Aufforderungen  des  Feindes,  obschon  derselbe  aus  vier  Cavallerie=Regimentern
  bestand,  mit  derbem,  soldatenmäßigen  Hohn,  und  ließen  es  auf  einen
Kampf  auf  Leben  und  Tod  ankommen.  Alle  Angriffe  der  Oestreicher  wurden
muthig  abgeschlagen,  und  nach  großem  Verluste  ließ  der  Feind  die  tapfere
Schaar  ungehindert  ihres  Weges  ziehen.

Allein  diesem  glücklichen  Vorspiel  folgte  bald  eine  sehr  ernste  Katastrophe;
denn  Laudon,  bald  auf  mehr  als  30,000  Mann  verstärkt,  drohte  jetzt  mit  einer
vollständigen  Besitznahme  der  Provinz.  Ihm  gegenüber  stand  General  Fouqué
bei  Landshut;  er  sollte,  obschon  nicht  stärker  als  13,000  Mann,  dem  Feinde
die  verschiedenen  Wege  in  das  Innere  des  Landes  verschließen.  Nicht  minder
dringend  als  General  Finck  hatte  er  dem  Könige  die  Mißlichkeit  seines  Auftrages
  vorgestellt,  aber  so  wie  jener  die  Weisung,  Gehorsam  zu  leisten,  erhalten.
Hierzu  war  er,  ein  Mann  von  eisenfestem  Charakter,  auch  ohne  fernere  Widerrede
  entschlossen.

Obgleich  er  durch  Absendung  mehrerer  kleiner  Abtheilungen  sich  noch  mehr
hatte  schwächen  müssen,  erwartete  er  heldenmüthig  Laudons  Angriff  in  seinen
Verschanzungen,  und  vertheidigte  sich  lange  Zeit  gegen  die  fast  vierfache  Uebermacht
  (am  23.  Juni).  Endlich  sank  er  selbst,  am  Kopfe  schwer  verwundet,
vom  Pferde;  dasselbe  Schicksal  theilte  eine  treue  Schaar,  die  sich  in  diesem  verhängnißvollen
  Augenblick  um  ihren  Feldherrn  zum  Schutze  drängte.  Zuletzt
deckte  ihn  sein  Reitknecht  mit  dem  eigenen  Körper,  bis  er  den  wüthenden  Feinden
begreiflich  machte,  daß  er-  der  kommandirende  General  wäre,  auf  den  sie  so
schonungslos  einhieben.  Fouqué,  mit  vielen  Wunden  bedeckt,  gerieth  mit
4000  Mann  Infanterie  in  östreichische  Gefangenschaft.  Die  Reiterei  und  ein