Die gemeinen Figuren. 61
gebreitet und bilden im ganzen einen Halbkreis; sie haben
nur wenige (3 bis 12) symmetrisch angeordnete, etwas auf—
gebogene Federn, nach unten meist an Länge zunehmend
(gerade entgegengesetzt als beim wirklichen Adler); zwischen
ihnen werden häufig feine, spitze Federn (Fäden) angebracht.
Die Flügelknochen sind knotig, mit kurzen Federn besetzt.
Auch der Schweif ist durchaus ornamental behandelt und
gekraust; er besteht aus wenigen, symmetrisch geordneten
Federn, die sich in geschwungenen Linien seitwärts ausbreiten;
eine spitze Feder steht nach abwärts.
Der Kopf ist stets seitwärts gewendet, in älterer Zeit auch
aufwärts sehend, das Auge wild und feurig, der Schnabel stark
abwärts gekrümmt, meist offen, mit ausgeschlagener Zunge.
Die Füße sind zumeist unverhältnismäßig groß, die untere
Hälfte unbefiedert; sie enden in drei Vorder= und eine Hinterzehe;
die Waffen (Fänge), aus den balligen Zehen herauswachsend,
stark gekrümmt.
Der Adler kommt zwar in allen Farben vor (auch
geschacht), doch ist Schwarz, Rot und Silber vorherrschend.
Die Waffen werden in der Regel abstechend (von anderer
Tinktur) gemalt, meist aber golden, selbst im goldenen Feld.
Uber den Leib oder die Flügel läuft bisweilen eine metallene
Sichel, mit den Spitzen aufwärts gekehrt; diese enden bisweilen
in Kleeblattform (Wappen von Tirol).
Der heraldische Adler wird immer in der beschriebenen
Weise oder doch ähnlich dargestellt; natürliche, fliegende oder
römische Adler sind unheraldisch. Jeder so vorgestellte Vogel
ist als Adler zu betrachten. Die metallene Sichel hat ihren
Ursprung wahrscheinlich in dem Gebrauch metallener Spangen
zur Befestigung plastischer oder ausgeschnittener Adler auf
dem Schilde.
Wir bringen hier fünf Liniengerippe (Abb. 115 bis 119),
mit Hilfe deren unschwer 3 Adler und 2 Löwen verschiedener
Stilarten konstruiert werden können.
Von einzelnen Teilen des Adlers kommen Köpfe, Füße,
am häufigsten aber Flügel vor, letztere einzeln und paarweise.