geht ein starker Feind zurück. Östlich von Chryrow schreitet unser Angriff gleichfalls fort. In Russisch-Polen
sind alle Versuche starker russischer Streitkräfte, die Weichsel südlich von Iwangorod zu überschreiten, abgeschlagen.
von Höfer.
Amtlich. Nachrichten von Bedeutung auf dem westlichen Kriegsschauplatz liegen keine vor. Angriffe
östlich Soissons sind abgewiesen. Im Argonnenwalde finden andauernd erbitterte Kämpfe statt. Etain
ist nach wie vor in unserem Besitz. Die feindlichen Angriffe bei St. Mihiel sind abgewiesen worden. Unsere
Kriegsbeute von Antwerpen läßt sich heute noch nicht übersehen. Die Zahl der in Holland Entwaffneten
ist auf annähernd 28000 Mann gestiegen. Die Schleusen= und Fähranlage ist vom Feinde unbrauchbar gemacht
worden. Im Hafen befinden sich vier englische, zwei belgische, ein französischer, ein dänischer, 32 deutsche und
zwei österreichische Dampfer, sowie zwei deutsche Segelschiffe. Soweit die deutschen Schiffe untersucht worden
sind, scheinen die Kessel unbrauchbar gemacht worden zu sein.
Auf dem ostpreußischen Kriegsschauplatze war es im allgemeinen ruhig. Am 12. Oktober wurde ein erneuter
Umfassungsversuch der Russen bei Schirwindt abgewiesen. Sie verloren hierbei 1500 Gefangene
und 20 Geschütze. In Südpolen wurden die russischen Truppen südlich von Warschau durch unsere Truppen
zurückgeworfen. Ein Übergangsversuch der Russen über die Weichsel südlich Jwangorod wurde unter Verlusten
für die Russen verhindert. Die oberste Heeresleitung.
Die Lage im Deutschen Antwerpen. Antwerpen ist heute fest in unserer Hand. Der Kommondant
ist Exzellenz von Schütz. Die Stadt wurde von den Gegnern fluchtartig verlassen. Die geflohenen Einwohner
werden jetzt zurückgebracht. Die Schäden der Granaten sind gering. In Antwerpen herrscht große
Wut auf die Engländer, denen man Wortbruch vorwirft. Das Feuer in der Stadt ist gelöscht, die Läden sind
geschlossen. Pietsch, Kriegsberichterstatter.
Nach verschiedenen Mitteilungen sollen sich die Engländer dagegen gewehrt haben, daß Gent ohne Kampf
übergeben würde. Der Kriegsrat hat aber beschlossen, Gent als offene Stabt zu übergeben. Im Laufe des
Abends machten die in der Stadt anwesenden englischen und französischen Soldaten sich bereit, um nach Westen
zu ziehen. Man wird versuchen, sich über Ypern zu den Verbündeten zu schlagen. Aus Sluis wird gemeldet,
sollen die Deutschen schon in der Gegend von Kortryk und Ypern stehen. Auch die Verwundeten wurden
von Gent nach Ostende übergeführt, um von da nach England überführt zu werden. Dasselbe geschieht auch
mit den deutschen Kriegsgefangenen.
Über die Besetzung von Gent melbet die Frankfurter Zeitung: Um 10 Uhr kam eine kleine Abteilung deutscher
Kavallerie an und rückte nach dem Stadthaus. Der Kommandeur begab sich zum Bürgermeister und zu den
Schöffen, worauf auf dem Rathaus die deutsche Flagge gehißt wurde. Hierauf begab sich die Abteilung, geführt
von zwei Schöffen, nach dem Post- und Telegrafenamt, wo einige Befehle erteilt wurden. Eine größere
Abteilung deutscher Truppen wird jeden Augenblick erwartet. Auch längs der holländischen Grenze bei Selzaete
sind die Deutschen im Anmarsch.
Der Genfer Schriftsteller Albert Malsch, er die Lügen über die deutschen Soldaten, daß diese den Verwundeten
Augen ausgestochen und Hönde abgeschlagen hätten, sowie solche verstümmelt usw. zu haben, gibt
in der Genfer Gazette die Erklärung ab, daß er durch Gewährsmänner gröblich getäuscht sei, daß nicht
eine einzige Schandtat der Deutschen in Belgien festgestellt sei und daß er seinen schweren unrichtigen
Vorwurf gegen die deutsche Heeresleitung mit aufrichtigem Bedauern zurücknehme.
Wie Londoner Blätter wissen wollen, wurde Antwerpen eine Kriegssteuer von 400 Millionen
Mark auferlegt.
Bei dem abgeschlagenen Sturmangriff der Engländer und Japaner auf Tsingtau ist Wolf von
Fries, der Sohn des Generalleutnants von Fries auf Klostergut Zelle in Thüringen den Heldentod gestorben.
Fries war seit Jahren als Großkaufmann in Shanghai tätig und stellte sich bei Ausbruch des Krieges als Freiwilliger
dem Besatzungskorps der Deutschen in Kiautschau.
Der bisherige Kommandierende General des 8. Armeekorpo, Tülff von Tschepe und Weidenbach, ist zu
anderweitiger Verwendung in das große Hauptquartier berufen worden. An seiner Stelle wurde General=124