die durch dieses Vorgehen voll tiefster Dankbarkeit erfüllt sei, sehe deshalb der Zukunft ruhig vertrauensvoll
entgegen.
Ein deutscher Flieger warf am Montag eine Bombe über St. Omer nieder, die zwei Personen tötete und
sechs verletzte.
Der Antwerpener Kommandant de Guise, begleitet von zwei belgischen Offizieren, ist in Krefeld
eingetroffen und in der Husarenkaserne interniert worden.
Über den Einzug der Deutschen in Antwerpen schreibt die Newyork World: Der Korrespondent sah
ihn vom Balkon des amerikanischen Konsulats, das er nach der Flucht des Konsuls in Besitz nahm, aus. Er
war der einzige Zuschauer in der ganzen Stadt. Die ersten einrückenden Truppen waren Radfahrer. Es
folgten eine Brigade Infanterie und verschiedene Feldbatterien. Diese zogen in schnellem Trabe durch die
Stadt nach den Kais und schossen dort mit Granaten auf die belgische Nachhut, die auf die andere Seite der
Schelde flüchtete. Eine Kompagnie Infanterie ging über die Pontonbrücke, die in der Mitte von den Belgiern
gesprengt worden war. Zwei Soldaten sprangen ins Wasser, schwammen über die offene Stelle und kletterten
auf der anderen Seite der Brücke empor und rückten vor, um das andere Ufer aufzuklären. Die Deutschen
stellten die Brücke in zwei Stunden wieder her. Sodann zogen sie hinüber. Der Hauptteil der Armee kam
erst Sonnabend an. 60000 Mann wurden von General von Schütz und Admiral von Schröder inspiziert, die
mit einem glänzenden Stabe zu Pferde vor dem Königspalast standen. Die Truppen zogen fünf Stunden
durch die Straßen. Die verlassenen Häuser klangen under dem kräftigen Paradeschritt wieder. Kompagnie
auf Kompagnie, Regiment auf Regiment, Brigade auf Brigade rückte ein. Die Augen begannen zu schmerzen
beim Hinblicken auf die langen Reihen in Grau unter den glänzenden Stablbajonetten. Die Truppen sangen
die Wacht am Rhein und Eine feste Burg ist unser Gott. Jedem Regiment zog ein Musikkorps nebst Fahne
voraus. Die Truppen bestanden aus denen, die in den letzten zwei Wochen fortdauernd im Kampfe waren
und 36 Stunden Tod und Verderben auf die Stadt schleuderten. Die Pferde und das Geschirr waren gut, die
Geschütze waren gut geputzt. — Nach der Artillerie kam Kavallerie: Kürassiere, Husaren und Ulanen, sodann
Seesoldaten von einer Marinedivision, eine Abteilung dunkelblauer bayerischer Infanterie, hellblaue sächsische
Truppen und Österreicher in silbergrau. Eine Abteilung Gendarmerie in silber und grün schloß den Zug.
Alles weist darauf hin, daß die deutschen Truppen Befehl hatten, die Bevölkerung mit großer Umsicht zu behandeln.
Die Deutschen haben noch nicht begonnen, die Kriegssteuer einzuziehen. Die Stadt muß dagegen
das deutsche Heer versorgen. Alle Schlachter, Bäcker und Kolonialwarenhändler, die nicht innerhalb fünf
Tagen ihre Geschäfte öffnen, werden schwer bestraft. Der argentinische Konsul wurde während des Bombardements
getötet. Ein Holländer, der aus Antwerpen nach Rotterdam kam, sagte aus, daß in der Stadt noch
große Vorräte an Lebensmitteln seien, so daß Hungersnot nicht zu befürchten sei. — Wie andererseits gemeldet
wird, haben bisher etwa 35000 Flüchtlinge dem Aufruf der deutschen Regierung in Antwerpen auf
Rückkehr nach Antwerpen Folge geleistet.
Mit Genehmigung der Zenfur veröffentlicht die Frankf. Ztg. eine Depesche aus Genf: Aus Lissabon
wird gemeldet, daß nach einem wichtigen Ministerrat der Ministerpräsident mit den Führern der politischen
Parteien eine Unterredung hatte und dabei mitteilte, daß die allgemeine Mobilmachung bevorstehe. Das
gegenwärtige Kabinett wird sich durch Zuziehung der Führer der verschiedenen politischen Gruppen zu einem
Ministerium der nationalen Verteidigung erweitern. — Einer Secolomeldung aus Lissabon zufolge ist die
Kriegserklärung Portugals an Deutschland wieder zweifelhaft geworden und zwar infolge der Eroberung Antwerpens
durch die Deutschen und infolge der an der spanischen Grenze aufgetretenen monarchistischen Umtriebe.
In Badajoz sind wieder fast alle Führer der portugiesischen Monarchisten versammelt, ohne daß die spanische
Regierung Maßnahmen dagegen treffe. Die Zeitung Diario in Lissabon wurde wegen eines aufsehenerregenden
Artikels, der Portugal vor dem Schicksal Belgiens warnte, beschlagnahmt.
In Augsburg wurde ein Tabakstag für unsere Truppen im Felde veranstaltet. Das Ergebnis war
270000 Zigarren, 240000 Zigaretten, 14000 Päckchen Rauchtabak, 5500 Päckchen Schnupftabak, 2200 Pfeifen,
2000 Zigarren= und Zigarettentaschen usw. An Bargeld wurden 18000 Mark gesammelt.
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