Der französische Präsident Poincaré richtete einen Aufruf an das französische Volk, worin er siegesgewiß
mitteilt, daß es ihm schmerzlich sei, die Regierung zeitweise von Paris zu entfernen. Eine Nation, die nicht
untergehen will und die um zu leben, weder vor Leiden noch vor Opferm zurückschreckt, ist sicher zu siegen. Der
heilige Krieg wird weiter geführt. (Es fragt sich nur wie lange.)
Von Genf wird gemeldet: Die hier ankommenden Pariser Züge sind in allen Wagenklassen überfüllt. Die
Pariser Polizei hat Vorkehrungen gegen den Ausbruch einer Panik getroffen.
Deutsche Flugzeuge über Paris gehören schon zum täglichen Ereignis. Sie werden beschossen, aber
nicht verletzt.
Auch Antwerpen wird durch Zeppeline bombardiert und richten dieselben großen Schaden an.
Der Belgierkönig Albert wurde in dem gestrigen Bombardement von Mecheln an einer Hand durch
ein Granatsiück leicht verwundet. Er leitete persönlich den Rückzug der Truppen. Die Hinterräder seines Automobils
wurden zertrümmert.
Die deutschen Postanstalten in Marokko sind geschlossen worden. Postanweisungen werden nicht
mehr angenommen.
Herzog von Braunschweig
Die Rückzugsbewegung des englisch-franzölischen Flügels dauert fort. Die Bahnverbindung Amiens —
Paris ist unterbrochen. — In Lille hat die Artillerie ihre Kanonen mitzunehmen vergessen.
Am gestrigen Sedantage, 1.14 Uhr nachmittags, trafen sich Kaiser und Kronprinz bei Sorbey, südlich
von Longuyon. An das Königsgrenadier-Regiment, dessen Kommandeur der Prinz Oskar ist, richtete der
Kaiser eine Ansprache, die mit einem begeisterten Hurra und dem Absingen der Nationalhymne schloß.
Die Zahl der toten und verwundeten Russen in der Schlacht bei Gilgenberg-Ortelsburg wird auf
40000 geschätzt. — Die Anordnung der Überflutung der Niederung zwischen der Nogat und dem Elbing-Fluß
wird auf Befehl des Oberkommandierenden wieder aufgehoben.
Der österreichische Sieg der Armee Auffenberg erscheint größer, als anfangs angenommen wurde. Auch
die Beute ist größer. Auffenberg setzt die Verfolgung der Russen unausgesetzt und energisch fort, während
die Belagerungen der russischen Festungen bei Lublin durch die Armee Dankl's im Zuge sind.
Das etwaige Vordringen der Russen im österreichischen Terrain kann keinesfalls als militärischer
Erfolg bezeichnet werden. Das Hauptziel der Österreicher ist das Vorrücken der Truppen gegen Norden. Die
Lemberger Stellung ist keineswegs unbedeckt.