Der kommandierende General von Xylander erließ unter dem 20. August 1914 an sein vor dem Feinde
stehendes Armeekorps einen Tagesbefehl, in dem er zum Ausdruck brachte, daß das Armeekorps die überaus
großen Anstrengungen bei den Kämpfen um Saarburg mit Schneid und Bravour in herzerfreuender Weise
überstanden hätte. Er dankte den braven Truppen für ihre mustergiltige Haltung und beglückwünschte sie
herzlich zu dem Erfolge.
Das Rote Kreuz in Hamburg verzeichnet heute seine Gaben mit 1540662,81 Mark und die Hamburgische
Kriegshilfe ihre Gaben auf 1528761,11 Mark. Ein kleiner Fortschritt.
7. September.
Der Kaiser wohnte gestern den Angriffskämpfen um die Befestigung von Nancy bei. — Von Maubeuge
sind zwei Forts und deren Zwischenstellungen gefallen. Das Artilleriefeuer ist gegen die Stadt gerichtet, die
an verschiedenen Stellen brennt.
Vor Paris fanden schon kleine Kavalleriescharmützel statt.
Der Stadt Lille und Umgegend haben die Deutschen eine Kriegssteuer von 200 Millionen Franken
auferlegt. Der Präfekt von Pas de Calais forderte die Bevölkerung auf, nicht zu fliehen, wenn die Deutschen
kommen. — Aus Ostentde wird gemeldet, daß die Deutschen Termonde, flämisch Derdermonde, eine Stadt
von 10000 Einwohnern, an der Schelde beschießen.— Eine amtliche belgische Mitteilung aus Rotterdam meldet,
die Deutschen hätten Derdermonde genommen, was aber noch nicht bestätigt ist. — In Antwerpen herrscht
große Angst. Die Belgier haben den Lawenschen Kanal durchstochen, um eine Überschwemmung herbeizuführen.
London, den 6. September 1914. Der Minister des Äußern und die Botschafter Frankreichs und Rußlandes,
unterzeichneten beute vormittag im Forreign Office eine Erkläkrung, die besagt:
Die Unterzeichneten, regelrecht von ihren Regierungen beauftragt, geben folgende Erklärung ab. Die Regierungen
Großbritanniens, Frankreichs und Rußlands verpflichten sich wechselseitig, keinen Einzelfrieden
im Laufe dieses Krieges zu schließen. Die drei Regierungen kommen überein, daß, falls es angebracht
sei, den Frichenswortlaut zu diskutieren, keine der verbündeten Mächte die Friedenebedingungen
festsetzen kann ohne ein vorheriges Übereinkommen mit jedem der beiden anderen Verbündeten.
Bei dem Kampf um Czernowitz hatten die Österreicher Glück. Sie machten 800 Gefangene, worunter
einige Stabsoffiziere, 500 Gewehre, vier Maschinengewehre und viel Munition als Kriegsbeute. — Nach Mitteilungen
von geflohenen Frauen aus Belgrad liegen drei Viertel von Belgrad in Trümmer. Alle öffentlichen
Gebäude seien zertrümmert. Der Haß gegen den Prinzen Georg sei dort sehr groß.
Prinz Siegismund, der jüngste Sohn des Prinzen Heinrich von Preußen, trat als Seekadett in die
Marine ein.
Der Zivilflieger Carl Ingold, ein Elsässer, erhielt für hervorragendes und wertvolles Aufklärungsfliegen
das Eiserne Kreuz.
Dem Präsidenten des Senats ging heute morgen das folgende Telegramm aus Rebair zu: Bürgermeister
Dr. Predöhl in Hamburg. Regiment Hamburg hat heute bei Leuze im Rahmen der Division ruhmreich gegen
Zuaven gekämpft und gesiegt. Dies Euerer Magnifizenz mitteilen zu können, gereicht mir zur besonderen Freude.
von Quast, General der Infanterie und Kommandierender General.
Die Deutschen in Reims. Die französische Armee hat Reims ohne Kampf verlassen. Die Stadt ist vorher
mit 60 Schüssen bombardiert worden, bie die weiße Fahne auf der Kathedrale gehißt wurde. Der angerichtete
Schaden ist nicht sehr groß. Als Geisel ist der Bürgermeister von Reims durch Rittmeister von Hombracht
festgenommen worden. Die Bevölkerung verhält sich ängstlich, aber ruhig.
Aus Rotterdam wird glaubwürdig gemeldet, daß der englische Kreuzer Pathfinder auf dem Thyne
auf eine Mine stieß und unterging. Zu gleicher Zeit sank der Passagierdampfer Runo von der Wilson-Linie.
In der heute eingegangenen Times ist eine Nachtrags-Verlustliste der englischen Admiralität, in der die Namen
der Besatzung der geschützten Kreuzer Arethuse und Fearleß, der Torpedobootszerstörer Druid, Laertes
und Phönix enthalten sind.