Ausstellung.
Koloniales.
Italien.
342 Nebersicht der politischen Entwichelung des Jahres 1966.
die Strafen und Entlaffungen, die der Kriegsminister verfügte, den
Widerstand überwinden oder verhärten werden, ist noch ganz ungewiß;
vorläufig wird in den antirepublikanisch gesinnten Blättern
über die Desorganisierung der Armee durch die vielen Personenwechsel
geklagt und der Kampf rüstig fortgesetzt; sie weisen mit
Vorliebe auf die Gefahr hin, daß Frankreich nach der Zerstörung
seiner Armee aufhören müsse, ein geschätzter Bundesgenosse Rußlands
zu sein. Gegen Schluß des Jahres hat die Regierung, ganz
konsequent in der Foriführung ihrer demokratischen Politik, einen
Kampf gegen die geistlichen Kongregationen eingeleitet, über den
im nächsten Jahrgange zu berichten sein wird.
Die Weltausstellung in Paris hat nicht wenig dazu beigetragen,
daß das Jahr ohne größere parlamentarische Kämpfe
verlaufen ist. Sie war glänzend beschickt und einen Besuch von
50½ Millionen Menschen hatte bisher noch keine Ausstellung zu
verzeichnen. Allseitige Befriedigung hat sie freilich nicht zurückgelassen:
viele Aussteller und Unternehmer behaupten, große Verluste
erlitten zu haben und machen Entschädigungsansprüche geltend;
vor allem hat sie gezeigt, daß Frankreich in bedeutenden Industriezweigen,
wie der chemischen, der Glas= und Lederindustrie, überflügelt,
in anderen erreicht ist und selbst im Kunstgewerbe nur in
einigen Branchen noch die Führung behauptet.
In der auswärtigen Politik hat Frankreich, wie schon erwähnt,
in Ostafien eine wichtige diplomatische Rolle gespielt, weit
wichtiger waren indessen die Erfolge, die Frankreich in Afrika zu
verzeichnen hatte. Es gelang drei französischen Expeditionen, die
von Algier, von Senegal und vom Kongo aufgebrochen waren,
nach etwa "#jährigen Kämpfen den Sultan Rabbah bei Kusseri
zu schlagen und zu töten, womit der große Gegner der Franzosen
im Sudan verschwunden war. Höchst wertvoll für das franzöfische
Kolonialreich in Nordafrika ist die Besetzung des Tuatgebietes,
und die bessere Abrundung des Kongo= und Senegalgebietes wurde
durch einen Grenzvertrag mit Spanien erzielt.
Italien hat wiederum schwere innere Krisen durchmachen
müssen. Im Jahre 1899 hatte die Regierung versucht, ein königliches
Dekret zum Schutze der öffentlichen Sicherheit in ein Gesetz