Metadata : Spittler’s sämmtliche Werke. Sechster Band. (6)

Aufgabe  jeder  Infanterie,  ihre  taltischen  Formen  auch  diesen  nun  einmal
gegebenen  Umständen  anzupassen.

Ob  sich  dabei  denselben  gemäß  der  durch  nichts  mehr  begründete
Unterschied  von  Grenadieren,  Musketieren  und  Füselieren  wird  festhalten
lassen,  bleibt  fraglich.  Die  besondere  Bestimmung  des  dritten  Gliedes
zum  Tirailliren  macht  die  taktischen  Formen  nur  verwickelter  urlb  schwerfälliger,
  und  da  Infanterie  jetzt  nur  entweder  als  Schützenlinie,  oder  in
mehr  over  minver  großer  Masse  auftritt,  so  ist  gar  kein  Grund  mehr
für  Beibehaltung  der  Stellung  in  drei  Gliedern  vorhanden.  —  Die  nach
der  Mitte  formirte  Bataillonsmasse  erscheint  jetzt  für  die  Beweglichkeit
der  Gefechtsformen  in  sich  eben  der  Formation  wegen  zu  sehr  gebunden,
zu  schwerfällig,  und  bietet  obendrein  ein  wahres  Nest  für  die  verheerende
Feuerwirkung  des  so  vervollkommneten  schweren  Geschützes,  was  um  so
mehr  zu  beachten  ist,  als  junge  Truppen  dabei  in  einer  solchen  Fotmation
  viel  leichter  in  Unorvnung  kommen.  Darum  wäre  es  vielleicht  gut,
sie  ganz  aufzugeben.  Die  Compagnie-Kolonnen  aus  dieser  Formation
hervorgehen  zu  lassen,  d.  h.  ob  über  oder  unter  der  Fahne  verschieden
zu  formiren,  möchte  schon  veshalb  unzweckmäßig  sein;  sonst  scheinen  fie  gerade
  berufen,  wegen  ihrer  Beweglichkeit,  leichtern  Benutzung  des  Terrains
zum  Fortkommen,  wie  zur  Deckung  2c.,  die  Lösung  der  Aufgaben  zu  übernehmen,
  welche  die  Taktik  für  vie  Zukunft  an  die  Infanterie  zu  stellen
hat,  und  dabei  die  taktische  Einheit  zu  bilden.  Unbenommen  bleibt
es  ihnen,  sich  vurch  Neben=  oder  Hintereinanderschieben  zur  größeren
Masse  zu  vereinigen,  wo  es  auf  einen  Hauptstoß  ankommt.  Es  giebt
keine  taktische  Aufgabe  von  größerer  oder  geringerer  Ausbehnung,  die
nicht  mit  diesen  einfacheren  Formen  sogar  oft  besser  zu  lösen  wäre,  und
ihre  Annahme  wird  gerade  da  wichtig,  wo  man  aus  Rücksicht  auf  junge
Truppen  und  kürzere  Dienstzeit  vor  allem  auf  Einfachheit  hinstreben
  muß.

Aber  anch  die  besten  und  einfachsten  taktischen  Formen  werden  nichts
nätzen,  wenn  dem  Einzelnen  dazu  die  nothwendige  Intelligenz  und  Gewanttheit
  fehlt,  und  diese  Eigenschaften  können  ihm  nur  durch  richtige
Erziehung,  Bekleidung,  Ausrüstung  und  Entfernung  alles  dessen  zegeben
  werden,  was  ihn  körperlich  steif  und  unbeholfen,  geistig  beschränkt
und  unfrei  macht.  —  Man  hat  in  Preußen  in  neuerer  Zeit  wohl  am
meisten  für  Bervollkommnung  der  Wassen  gethan,  und  man  hat  nach  den
Anforderungen  des  neuern  Krieges  in  Form  und  Wesen  viele  Veränderungen
  im  Althergebrachten  eintreten  lassen;  ob  genug,  müssen  die
Erfolge  lehren.  Was  aber  die  Ausbildung  des  Einzelnen  betrifft,  so