Aufgabe jeder Infanterie, ihre taltischen Formen auch diesen nun einmal
gegebenen Umständen anzupassen.
Ob sich dabei denselben gemäß der durch nichts mehr begründete
Unterschied von Grenadieren, Musketieren und Füselieren wird festhalten
lassen, bleibt fraglich. Die besondere Bestimmung des dritten Gliedes
zum Tirailliren macht die taktischen Formen nur verwickelter urlb schwerfälliger,
und da Infanterie jetzt nur entweder als Schützenlinie, oder in
mehr over minver großer Masse auftritt, so ist gar kein Grund mehr
für Beibehaltung der Stellung in drei Gliedern vorhanden. — Die nach
der Mitte formirte Bataillonsmasse erscheint jetzt für die Beweglichkeit
der Gefechtsformen in sich eben der Formation wegen zu sehr gebunden,
zu schwerfällig, und bietet obendrein ein wahres Nest für die verheerende
Feuerwirkung des so vervollkommneten schweren Geschützes, was um so
mehr zu beachten ist, als junge Truppen dabei in einer solchen Fotmation
viel leichter in Unorvnung kommen. Darum wäre es vielleicht gut,
sie ganz aufzugeben. Die Compagnie-Kolonnen aus dieser Formation
hervorgehen zu lassen, d. h. ob über oder unter der Fahne verschieden
zu formiren, möchte schon veshalb unzweckmäßig sein; sonst scheinen fie gerade
berufen, wegen ihrer Beweglichkeit, leichtern Benutzung des Terrains
zum Fortkommen, wie zur Deckung 2c., die Lösung der Aufgaben zu übernehmen,
welche die Taktik für vie Zukunft an die Infanterie zu stellen
hat, und dabei die taktische Einheit zu bilden. Unbenommen bleibt
es ihnen, sich vurch Neben= oder Hintereinanderschieben zur größeren
Masse zu vereinigen, wo es auf einen Hauptstoß ankommt. Es giebt
keine taktische Aufgabe von größerer oder geringerer Ausbehnung, die
nicht mit diesen einfacheren Formen sogar oft besser zu lösen wäre, und
ihre Annahme wird gerade da wichtig, wo man aus Rücksicht auf junge
Truppen und kürzere Dienstzeit vor allem auf Einfachheit hinstreben
muß.
Aber anch die besten und einfachsten taktischen Formen werden nichts
nätzen, wenn dem Einzelnen dazu die nothwendige Intelligenz und Gewanttheit
fehlt, und diese Eigenschaften können ihm nur durch richtige
Erziehung, Bekleidung, Ausrüstung und Entfernung alles dessen zegeben
werden, was ihn körperlich steif und unbeholfen, geistig beschränkt
und unfrei macht. — Man hat in Preußen in neuerer Zeit wohl am
meisten für Bervollkommnung der Wassen gethan, und man hat nach den
Anforderungen des neuern Krieges in Form und Wesen viele Veränderungen
im Althergebrachten eintreten lassen; ob genug, müssen die
Erfolge lehren. Was aber die Ausbildung des Einzelnen betrifft, so