Full text: Der Weltkrieg 1914. Band 1. (1)

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Kaiser Franz Josefs Dank an Botschafter Szoegyeny-Marich. 
W.T. B. Wien, 12. August. Die „Wiener Zeitung“ veröffentlicht 
folgendes Handschreiben: 
Lieber Graf Szoegyeny-Marich! 
Nach langjähriger Verwendung im öffentlichen Dienste, während 
welcher Sie durch nahezu zwei Jahre als mein ungarischer Minister an 
meinem Hoflager und durch beinahe zweiundzwanzig Jahre mein außer- 
ordentlicher bevollmächtigter Botschafter in Berlin in ausgezeichneter 
Weise tätig waren, sind Sie um Uebernahme in dauernden Ruhestand 
eingeschritten. Indem ich Ihrem Ersuchen hiermit willfahre und Sie mit 
aufrichtigem Bedauern aus dem aktiven Dienste scheiden sehe, empfinde 
ich es als Herzensbedürfnis, Ihnen für Ihr immerdar von regstem 
patriotischen Geiste getragenes, an Erfolgen reiches Wirken, insbesondere 
für ihre hervorragende Tätigkeit in Berlin, dank welcher Sie sich auch 
das besondere Vertrauen meines erhabenen Verbündeten, Seiner Ma- 
jestät des Deutschen Kaisers und Königs von Preußen, zu erwerben ge- 
wußt haben, meinen wärmsten Dank und meine vollste Anerkennung aus- 
zusprechen, als deren äußeres Zeichen ich Ihnen das Großkreuz meines 
St. Stephansordens in Brillanten mit Nachsicht der Taxe verleihe. 
Die „Wiener Zeitung“ veröffentlicht gleichzeitig die Ernennung des 
Legationsrates erster Kategorie in Disponibilität Gottfried, Prinzen zu 
Hohenlohe-Schillingsfürst, zum Botschafter in Berlin. 
Der österreichisch-ungarische Botschafter beim Kaiser. 
W.T. B. Berlin, 12. August. Der Kaiser empfing um 12¾ Uhr 
den österreichisch-ungarischen Botschafter v. Szögyeny-Marich zur Ueber- 
reichung seines Abberufungsschreibens. 
Montenegro bricht seine Beziehungen mit Deutschland ab. 
W.T. B. Wien, 12. August. Die Blätter melden: Montenegro 
hat dem deutschen diplomatischen Vertreter in Cetinje seine Pässe zu- 
gestellt. Der deutsche Gesandte von Eckardt hat Cetinje bereits verlassen. 
Effektive Blockade der montenegrinischen Küste. 
W.T. B. Wien, 11. August. Gestern mittag wurde über die mon- 
tenegrinische Küste die effektive Blockade verhängt. Den Schiffen der be- 
freundeten und neutralen Mächte wurde eine vierundzwanzigstündige 
Frist zum Auslaufen gewährt. Den ausländischen diplomatischen Ver- 
tretungen in Wien wurde die Verhängung der Blockade notifiziert. 
Die österreichische Küste im Kriegszustande. 
W.T. B. Berlin, 12. August. Mit Rücksicht auf den Kriegszustand 
sünd die Leuchtfeuer an den Küsten Osterreich-Ungarns nicht mehr in regel- 
mäßigem Betriebe. 
Ein Engländer gegen England. 
W.T. B. Wien, 12. August. Ein in Wien lebender Engländer, 
Harry Lowe, richtet an die „Neue Freie Presse“ eine Zuschrift, in der es 
heißt, er habe während der vielen Jahre, die er in Wien lebe, Gelegen- 
heit gehabt, die Bewohner der Monarchie schätzen und achten zu lernen. 
Er sei überzeugt, im Namen aller in Oesterreich-Ungarn wohnenden Eng- 
länder zu sprechen. Wohl niemals habe sich der Begriff der Menschlich-
	        
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