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Mittel zum Nachweis einer Peroxydase zu betrachten. Ob es zweckmäßig ist, die
Guajakreaktion zur Ermittelung anderer Oxydationsfermente z. B. der sog. „Oxydasen“
zu verwenden, scheint nach den gemachten Erfahrungen verneint werden zu müssen,
und es verdient jedes andere Reagens den Vorzug, bei dem die Anwesenheit eines
Peroxyds mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann.
Für die praktische Frage der Milchuntersuchung ergibt sich, daß, um die
größte Empfindlichkeit der Reaktion zu erhalten, mit dem Zusatz von Hydroperoxyd außerordentlich
vorsichtig umzugehen ist, über den sich bestimmte Angaben nicht machen
lassen, da die optimale Menge von der Peroxydasemenge einerseits und von dem Zustand
der Guajaktinktur andererseits abhängt. Dies ist besonders für die Untersuchung
von Mischungen pasteurisierter und roher Milch beachtenswert, in denen der
Gehalt an Peroxydase sehr gering ist.
Der negative Ausfall der unter den notwendigen Versuchsmaßregeln angestellten
Reaktion bedeutet aber stets die Zerstörung eines integrierenden Bestandteils der
Kuhmilch: der Peroxydase.
Diese Zerstörung kann jedoch nicht nur durch reine Temperaturwirkung, sondern
auch durch die Wirkung geringer Hydroperoxydmengen bei Temperaturen hervorgerufen
werden, die einerseits weit unter der für eine Pasteurisierung geforderten Temperatur
(mindestens 65° C.), andererseits weit unter der Vernichtungstemperatur der Peroxydase
durch reine Wärmewirkung lieg. Da die Hydroperoxydmengen alsbald aus
der Milch verschwinden, so kann durch den negativen Ausfall der Peroxydasereaktionen
bei so behandelter Milch Erhitzung auf 75°—80° vorgetäuscht werden. In solchen
Fällen können die Schardingersche Reaktion (unter Verlängerung der Beobachtungszeit)
und die Rubnersche Reaktion, die durch die besprochene Behandlung wenig
oder nicht beeinflußt werden, orientierende Dienste leisten.
Bei Einwirkung größerer Hydroperoxydmengen in der Kälte sowohl als in der
Wärme (Buddeisieren, Behrings Perhydraseverfahren) wird auch die Schardingersche
Reaktion unbrauchbar, und man wird bei positivem Ausfall der Rubnerschen Reaktion
an der Schwächung oder Vernichtung der Katalasefunktion derartige Behandlung
erkennen, wobei freilich nicht aus dem Auge zu lassen ist, daß die Katalaseeigenschaft
der Milch keine eindeutige Ursache hat.
Vorstehende Arbeit wurde in der Zeit vom Januar 1906 bis zum Januar 1907
im Chemischen Laboratorium des Kaiserlichen Gesundheitsamtes ausgeführt. Dem
Direktor des Laboratoriums, Herrn Geheimen Regierungsrat Dr. W. Kerp bin ich für
das dem Fortgang der Untersuchung entgegengebrachte Interesse zu lebhaftem Danke
verpflichtet.
Endlich möchte ich es nicht versäumen, Herrn Prof. Dr. E. Baur, früherem
kommissarischen Hilfsarbeiter im Kaiserl. Gesundheitsamte, auch an dieser Stelle
für seine wertvollen Ratschläge und die mir von seiner Seite zuteil gewordenen
wissenschaftlichen Anregungen herzlichst zu danken.
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