Full text : Kaiser Wilhelm II. Aus meinem Leben 1859-1888.

stand  meinem  Vater  nahe  und  wurde  von  ihm  geduzt,  da  er  einstmals
  sein  Spselgefährte  gewesen  war.
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Unter  den  Gelehrten,  die  im  Elternhause  verkehrten,  wären  außer
Birchow  und  Helmholtz  noch  der  Altertumsforscher  Ernst  Curtius,  die
Hlstoriker  Ranke  und  Treitschke,  der  Bhflosoph  Zeller,  der  meiner  Mutter
nahe  stand,  ferner  Geffcken  und  Gustav  Freptag  zu  nennen.  Gesscken
habe  ich  persönlich,  soweit  ich  mich  entsinne,  niemals  gesehen,  Treitschke
hat  tiefen  Eindruck  auf  mich  gemacht.  Dagegen  bin  ich  von  Greytags
etwas  weicher  Natur  sehr  enttäuscht  worden.  Ich  hatte  mir  nach  seinen
Werken,  die  ich,  besonders  die  „Ahnen“,  mit  Begelsterung  gelesen  hatte,
elne  ganz  andere  Vorstellung  von  ihm  geschaffen.  Ubrigens  hat  er  nach
Hinzpeters  Mitteilungen  auch  meinen  Bater  1870,  fretlich  in  anderer
Beziehung,  enktäuscht.  Er  hatte  ihn  nämlich  in  seinem  Stabe  mitgenommen
  und  große  Hoffnungen  auf  seine  Kriegsschilderungen  gesetzt,
  die  aber  nicht  erfüllt  worden  sind.  Schlkeßlich  gedenke  ich  noch
des  Historikers  Hans  Delbrück,  des  nachmaligen  Professors  an  der
Berliner  Untversität.  Er  war  Erzieher  meines  1870  heimgegangenen
Bruders  Waldemar  und  hat  viel  mit  meiner  Mutter  Üiber  politische
und  historische  Fragen  gestritten,  was  ihr  immer  großen  Spaß  gemacht
  hat.  Hier  waren  einmal  zwei  widerspruchslustige  Naturen
aneinander  geraten.

Eine  unendlich  spmpathische  Figur,  die  ich  verehrt  und  bewundert
habe,  war  der  frühere  Erzieher  meines  Baters,  der  Archcologe
Professor  Ernst  Curtius.  Wegen  seiner  hinreißenden  Begessterung
für  das  antike  Hellas  und  die  Hellenen  möchte  ich  ihn  den  Herold
des  alten  Griechentums  nennen.  Seine  für  gewöhnlich  träumerisch
und  versonnen  in  weste  Fernen  blickenden  Augen  leuchteten  auf,
wenn  er  über  sein  Hleblingsthema  sprechen  konnte.  Man  gewann
den  Eindruck,  er  sähe  die  Bersonen  und  Dinge  der  klassischen  Zeit,
von  denen  er  sprach,  leibhaftig  vor  sich,  so  lebensvoll  verstand  er
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