Metadata : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Vierter Band. (4)

des  Reiches  zu  opfern  und,  wenn  der  Krieg  ausbricht,  bereit  ist,
auch  das  Leben  zu  opfern  zur  Berteidigung  der  Heimat  für  seine
Freiheit  und  seine  Ehre,  eine  Ausbildung,  die  genügend  lang  ist,
um  bie  einzelnen  Soldaten  und  die  großen  Truppenverbände  unwiderstehlich
  zu  machen,  und  ein  Material,  bei  dessen  Anschaffung
man  weder  geschachert  noch  kompromisselt  hat.  Der  Ausgang  des
Tageskampfes  erweckte  daher  keine  Verwunderung.  Man  hörte
keine  Glückwünsche,  keinen  Jubel  —  man  sprach  davon  wie  von
der  natürlichsten  Sache  der  Welt!  ·

17.  Das  Feldlazarett  in  der  Kirche  zu  Romagne.

uf  der  Rückfahrt  nach  Stenay  müssen  wir  gerade  vor  dem

Feldlazarett  halten.  Der  Stabearzt  steht  auf  der  Straße
und  gibt  seine  Befehle  über  Behandlung  und  BVerteilung  der  neu
angekommenen  Verwundeten.  Ich  werde  ihm  vorgestellt,  und  er
will  mich  nicht  loslassen,  ehe  ich  das  Feldlazarett  gesehen  habe.
„An  die  Front  kommen,  den  Krieg  studieren  und  das  Lazarett
in  Romagne  nicht  sehen,  nein,  Herr  Doktor,  das  geht  nicht!  Sie
haben  den  ganzen  Tag  gesehen,  wie  die  Verwundeten  von  der
Feuerlinie  hereinkommen,  nachdem  sie  ihre  erste  provisorische  Pflege
auf  dem  Schlachtfeld  erhielten.  Sie  haben  den  Hauptsammelplatz
bei  Eclisfontaine  gesehen.  Nun  mühssen  Sie  auch  die  dritte  Etappe
sehen,  das  Feldlazarett  hier.“

Und  damit  führte  mich  der  Stabsarzt  in  die  kleine,  schöne,
alte  katholische  Kirche.  Die  Sonmne  war  untergegangen,  und
Oämmerung  breitete  sich  über  Frankreich.  Es  war  dunkel  in  der
Kirche,  aber  noch  waren  die  kosftbaren  gemalten  Fenster  zu  unterscheiden,
  und  vorn  am  Altar  brannte  ein  einsamer  Leuchter,  der
die  Dunkelheit  eher  vermehrte  als  verminderte.  Achtzig  verwundete
Deutsche  lagen  hier.  Die  Kirchenbänke  waren  paarweise  zusammengestellt,
  so  daß  sie  mit  den  Rückenlehnen  geräumige  Kisten  bildeten,
die  mit  Stroh  gefüllt  waren.  In  jedem  solchen  Bett  lag  ein
schwer  verwundeter  Soldat.  Die  Bänke  reichten  aber  nicht  für
alle.  Die  übrigen  lagen  an  den  Wänden  auf  aufgeschüttetem

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