Full text: Die Entstehung der constitutionellen Verfassung des Königreichs Sachsen.

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Vnter des sindt die von der Ritterschafft vngeferlich vmb zwey 
hor, vnter welchen Carlewitz der alte das worth gehabt, zu den 
Stedten komen, vnd gefragt, was sie die Stedte sich in der anth- 
worth vff Churf. Gnaden antragen hetten enthschlossen. Darauff 
der Herr Burgermeister zu Leipzigk geanthwortet, Sie weren an 
dem, das sie das Interim lesen, vnd darnach sich auf Anthwort 
schicken wolten. Darauff Carlewitz gesagt, Lieben Herren, wir stehen 
auff dem, das wir der Herren Theologen bedencken auff diese sach, 
dieweil fie geistlich, vnd Gott, vnserer Seelen Sehligkeit vnd das 
ewige belanget, in dem wir nicht zu handeln wissen, weil wir in 
Göttlicher Schrifft nicht so erfahren, von Inen, den Herren Theo- 
logen begeren vnd hören wollen. Darauff die Stedte geanthwortet, 
Es were Ire meinung vnd vuterredung auch also gewesen, das in 
diesen hochwichtigen vnd grossen sachen, die Herren Theologen billich 
zu fragen vnd zu hören weren, darinnen sie one Iren Rath nicht 
vorzunehmen wüsten. Sindt derwegen hierauff, vff beiden seiten 
uetzliche, auff der Stedte 11) so hernach in den kleinen Ausschuß kom- 
men, hingangen, vnd CF. G. demütiglich ond vnterthenigst gebeten, 
mit der anthwort zu warten, biß daß Inen der Herren Theologen 
bedencken, darumb sie bitten wolten, zugestellet würde. 
Den folgenden Sonnabenth nach Thomä, frue vmb sechs ist 
man widerkommen, vnd da man lenger als eine stunde vff Churf. 
G. gewartet, sind die Stedte zusammengangen, da der Burgemeister 
Wann zu Leipzigk, die anthwort, die Churf. G. Inen den Abend 
zuuor, auff Ir ond der Ritterschafft ansuchen, hat geben lassen, den 
Stedten angezeigt, Nemlich das Kay. Mait, ernstlich beuohlen hette, 
diese sache, von seiner der Kay. Mait. Erclerung, nicht mit den 
Theologen vnd Hochgelarten, sondern mit seinen des Churfürsten 
Landtstenden der Ritterschafft und Stedten zu handeln ond berath- 
schlagen, Jedoch hetten Ire Churfürstlichen Gnaden zu letzt vff hohes 
ond demuetiges ersuchen, solchs die Theologen vnd Ir bedencken auff 
diese sache zu begeren, Inen den Landtstendten nicht allein erlaubet, 
Sondern auch selbst gnediglich an die Theologen gelangen lassen, 
das sie Ir bedencken in dieser sachen, Iren CF. G. ond den Landt- 
stenden schriftlich zustellen wolten. Welchs den andern tagk nach 
diesem als nemlich den Sontagk nach Mittag ist vberanthwortet 
worden. 
In des ist der Churfürst vff das Rathaus kommen, da der 
weniger teil der Stedte noch heraussen gewest, Vud die andere pro- 
17) Soll heißen: Von Seiten der Städte diejenigen, welche hernach in 
den Engen Ausschuß gekommen sind.