268 Sweites Kapitel.
schlossen, auch Frankreich nicht weiter gehen zu lassen, sondern thatkräftig
einzugreifen, wenn es auf Umsturz in Jtalien ausginge. Sein Gedanke
war, zur geeigneten Seit als bewaffneter Dermittler aufzutreten. Deswegen
ließ er das preußische Heer in Kriegsbereitschaft treten, also in
eine Vorbereitung der Mobilmachung, aus der es leicht auf den Kriegsfuß
übergeführt werden konnte. Sugleich entsandte er den General
von Willisen nach Wien, um mit Gsterreich eine Perständigung über
seine Absicht herbeizuführen. Hreußen, ließ er erklären, sei bereit, für die
Erhaltung des österreichischen Länderbesitzes in Jtalien einzutreten, verlange
aber die volle Derfügung über die Streitkräfte des Deutschen
Bundes. Dies Anerbieten des Hrinzregenten erschien aber den österreichischen
Staatsmännern durchaus ungenügend. Sie schlugen einen
sehr hohen Ton an, indem sie die weitausgreifenden Siele der österreichischen
Bestrebungen entrollten und dafür die Mitwirkung Hreußens
und Deutschlands in Anspruch nahmen. Koatürlich lehnte Willisen jedes
Eintreten Hreußens für die österreichische Berrschaft über Italien oder
für die Erhebung des Grafen Chambord auf den französischen Thron
rundweg ab.
Bald aber zog GEsterreich andere Saiten auf. Die französische Armee
war inzwischen in Hiemont angelangt und hatte die Csterreicher am
20. Mai bei Mkontebello zurückgeworfen. Jetzt erklärte man sich in
Wien mit den preußischen Dorschlägen einverstanden; nur verlangte Graf
Rechberg, der österreichische Minister des Außern, daß sie in die Form
eines bindenden Dertrages gebracht würden. Dies Begehren mußte
Schleinitz indessen zurückweisen, da Dreußen, wenn durch Dertrag gebunden,
unmöglich mehr in der Rolle eines Dermittlers auftreten konnte.
Nun aber mengte sich Rußland in die Derhandlungen. Frankreich
sich zuneigend, hatte es vier Armeecorps mobil gemacht, um, wenn es
notwendig wäre, einen Triumph Esterreichs zu verhindern. Jetzt nun
richtete das russische Kabinett an die deutschen Regierungen ein Rundschreiben,
in welchem es ihnen in strengem Tone vorschrieb, der Sache
Esterreichs, die sie gar nichts anginge, fern zu bleiben. Unbeirrt ging
jedoch der Orinzregent seinen Weg: er wartete auf den Seitpunkt, wo
er als bewaffneter Dermittler in den Gang der Ereignisse eingreifen
solle. Schnell wider Erwarten kam dieser. Esterreich, bei Magenta am
4. Juni geschlagen, mußte die Lombardei räumen und hinter den Mincio
sich zurückzieben. Und um das Mißgeschick zu vollenden, erhob sich in
den italienischen Kleinstaaten die Bevölkerung, verjagte die Regierungen
und schloß sich in hellen Haufen dem Beere Viktor SEmanuels an. Da