pragmatische Sanktion durchgesetzt, vermöge deren
seine Tochter mit ihrem Gemahl von Lothringen erben
sollte; aber obgleich die meisten Fürsten Europas diese
Sanktion garantiert hatten, so waren doch unmittelbar
nach dem Tode Karls VI. mehrere Prätendenten auf:
getreten, von denen allerdings Karl Albrecht von Bayern
nach altem deutschen Rechte die nächsten Ansprüche
hatte.
Dies hatte Friedrich II. vorausgesehen, und weiter,
daß Frankreich ebenfalls große Neigung verspüren
würde, in dem bevorstehenden Konflikte eine Rolle zu
spielen und den Krieg entweder direkt für die Bourbonen
oder auf andere Weise zu benützen. Preußen hat selbst
einige Ansprüche an Österreich zu machen. Ein früherer
brandenburgischer Fürst hatte auch in Jägerndorf regiert,
war aber im Dreißigjährigen Kriege durch Österreich
daraus verjagt worden. Schon der große Kurfürst hatte
hierfür sowie für einige andere Besitzungen, Liegnitz,
Brieg und Wohlau in Schlesien, die noch mit der alten
piastischen Verlassenschaft zusammenhingen, Entschädigung
verlangt, war aber damit durchgefallen, und so
war es eine Art Iradition im hohenzollernschen Hause
geworden, daß Österreich Preußen an seinen rechtlichen
Ansprüchen verkürzt habe. Nunging Friedrichmitseinem
Minister von Podewils und seinem General Schwerin zurate,
ob er mit seinem Heere noch im Winter 1740 auf
1741 in Schlesien einrücken oder noch länger zuwarten
solle. Die erstere Ansicht gewann die Oberhand; er
rückte noch im Dezember in Schlesien ein und nahm es,
unter dem ungeheuren Aufsehen Europas, in Besitz,
wobei ihm namentlich der Umstand zustatten kam, daß
die Städte, wo die protestantische Bevölkerung die über:
wiegende war, ihn als ihren Retter begrüßten. Freilich
war das Land leichter zu erobern, als zu behaupten.
Friedrich II. betrieb nun auch, daß der Kurfürst von
Bayern gegen Österreich ins Feld ging, und daß ihn die
Franzosen hierbei unterstützten; ererkannte ihn als König
170