38
s. 10.
Donatistische Streitigkeiten.
Hier sehen wir die erste Quelle der schrocklichen Donaistischen
Streitigkeiten, welche über ein ganzes Jahrhundert
ang die Afrikanische Kirche verwüsteten, und Ströme Christichen
Bluts gekostet haben. Im Jahre 311 wurde nach dem
Tode des Bischof Mensurius von Karthago ein dasiger Aelester,
Cäcilian, gewählt, allein er hatte eine sehr ränkvolle Dame
Lucilla gegen sich, welche den Umstand benutzte, daß man nicht
mit der Ordination, wie sonst gewöhnlich, bis zur Ankunft der
Numidischen Bischöfe gewartet hatte. Cäcilian hatte sich,
noch als Diakon, den Kabalen widersetzt, wozu die freigebige
Lucilla die Confessoren gebrauchte. Ihr Geld, das sie ehemals,
verhindert durch Cäcilian, nicht nach-Willkühr unter die Confessoren
und Märtyrer vertheilen konnte, war itzt das Mittel,
wodurch sie sich eine Partie unter den Numidischen Bischdfen
gewann. Diese werfen sich zu Cäcilian's Richtern auf, und da
er sie nicht dafür erkennen kann, wählen sie einen andern Bischof
Majorinus
Wozu kann man nicht den Vorwand finden, wenn man
einmal die Sache haben will! Cäcilian soll von einem Manne
geweiht worden seyn, der bei letzter großen Verfolgung seine
Bibel den Inquisitoren ausgeliefert habe. Ein solcher Ordinator
soll den heiligen Geist nicht haben, also auch einem andern
nicht mittheilen können. Cäcilian sey also nicht rechtmäßig
ordinirt, und habe gar nicht ordinirt werden können,
weil auch er mit seinem Ordinator Felir von Aphthunga eines
gleichen Verbrecheus sich schuldig gemacht. Unter den
Bischöfen, welche hier so strengfromm argumentirten, waren
Manche, die jenes Verbrechen selbst auf sich hatten, und
kaum sechs Jahre vorher auf einer Synode von Cirtha sehr