Full text : Württembergische Geschichtsquellen. Erster Band. (1)

Chronica.  49

volgendt  wider  abgebrochen  und  an  dieselben  statt  die  gantz  schön
kirch  in  der  er  Unnser  Frauen  die  Schupach*  genannt  gebawen  ').
Aber  nit  lang  darnach  ist  genanter  Unmusz  zu  Altenhauszen  von
seines  weibs  bruder  entleibet  worden.

5  Feldner  capell.

Uff  dem  kirchoff  bey  sant  Michel  ist  ein  capell  gestanden,  die
Feldner  capell?)  genant,  darinnen  vier  gestiffter  pfründt  geweszen,
welche  die  Feldtner  und  die  vonn  Stetten  gestifftt  haben  unnd  in  sollicher
  capellen  ir  sonndere  begrebnus  gehapt.  Nachdem  man  aber

i0  den  neuen  chor®  zu  sant  Michel  erweittert,  ist  der  kirchoff  zu  eng
worden,  derbalben  aus  verwilligung  bapst  Julii  des  andern  hat  man
solliche  capellen  abgeprochen?),  die  pfründen  zu  sant  Michel  in  den
neuen  chor  transferirt.

a)  die  in  der  Schuebach  #3,  b)  ober  chor  H%

ı)  Über  diese  Kirche  s.  Hausser,  Die  Marien-  oder  Schuppachkirche  in
Hal  WFYr.  VIII,  321  f.  mit  Abbildung,  und  Hausser  Schwäb.-Hall  S.  75.
Sie  diente  in  den  Zeiten  der  Blüte  der  Reichsstadt  als  Gymnasialkirche,  wurde
1802  in  ein  Salzmagazin  verwandelt  und  1812  abgebrochen.

2)  Ursprünglich:  Veldnerinkapelle;  sie  stand  auf  der  nördlichen  Jucke
des  ehemaligen  Michaelskirchhofs  gegen  den  Markt  und  wurde  laut  eines  in
einer  Chorkapelle  der  Michaelskirche  eingemauerten,  noch  erhaltenen  Steins
(Hausser  Schwäb.-Hall  71)  von  der  ehrbaren  Frau  Guten  der  Veldnerin  gebaut
1344  und  geweiht  zur  Ehre  der  Heiligen  Ambrosius,  Erasmus  und  Margaretha.
1345  vermachte  die  Stifterin  an  die  ewige  Messe  ın  der  Kapelle  eine  Reihe  von
Gülten  und  Gütern  in  Hall  selbst,  suwie  in  Veinau  und  Unterlimburg.  Diese
Stiftungen  erfuhren  bis  zum  Ende  des  14.  Jahrhunderts  eine  sehr  beträchtliche
Vermehrung  von  seiten  der  Veldner  oder  Stetten  (über  die  Identität  beider  Geschlechter
  s.  Bauer,  Die  Herren  von  Stetten,  WEr.  IV,  170  f.,  über  den
Feldnerturm  s.  Hausser  I.  I.  76),  so  dass  die  Kapelle  mi  ihren  vier  Altären:
dem  Leonhards-,  I'ransishus-,  Frauen-  und  Ambrosien-Altar  (nach  andern
hatte  sie  noch  einen  fünften,  den  Dreikönigsaltar)  zu  den  bestdotierten  Gotteshäusern
  in  Hall  gehörte.  Das  Kopialbuch  der  „Pfründ  und  Stiftungsbrief
über  die  Kirchenaltär“  im  Gem.  Archiv  Hall  enthält  Bl.  15—90  eine  grosse
Reihe  von  auf  die  Kapelle  bezüglichen  Urkunden  aus  den  Jahren  1345  —  1437,
die  Bauer,  Die  Herren  von  Stetten  1.  I.  zum  teil  reproduziert  hat.  Die  wichtigsten
derselben  betreffen  die  Dotation  von  1345,  Bestätigung  durch  Comburg  1351,
Frauenaltar  1385  und  1391,  Leonhardsaltar  1362,  Franziskusaliar  1351  und
1362.  Der  Frauenaltar  besass  Häuser  in  der  Stadt  1380  und  1381,  und  hatte
noch  1437  die  Spütalmühle  zu  verleihen.

°)  14938,  OABeschr.  172.