Full text : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Zweite Hälfte.

498  Geschichte  der  Akademie  unter  Friepricn  Wirnens  1.  (1756-1797).

man  die  berülimtesten  Gelehrten  Berlins  und  der  Preussischen  Staaten
aufnehme.  Das  Versprechen,  mit  allen  Kräften  für  die  Akademie
zu  arbeiten,  hat  er  bis  zu  seinem  Tode  gehalten.  Weder  in  frülherer
  noch  in  späterer  Zeit  hat  ein  preussischer  Minister  jeinals  die
wissenschaftliche  Körperschaft  so  unumschränkt  geleitet  und  ihre
Angelegenheiten  so  selbstherrlich  bis  in’s  Kleinste  verwaltet!  wie
H:rtzeers,  der  sich  als  berufener  Nachfolger  Matrertuis  fühlte.
Unzweifelhaft  hat  sie  sogar  unter  dem  grossen  Könige  mehr  Freiheit
  und  Selbstverwaltung  besessen  als  unter  diesem  Minister,  der
fast.  niemals  in  den  Donnerstagssitzungen  fehlte,  den  Vorschlägen
der  Akademie  stets  zuvorkam  und  sie  dureh  seinen  humanen  Absolutismus
  gewaltsam  zu  beglücken  strebte.  Auch  für  ihr  Wäalılrecht
  hat  er  sich  nur  in  der  Theorie  erwärmt:  in  Wahrheit  besetzte
  er  die  Stellen  und  erweiterte  den  Kreis  der  Akademiker
nach  Belieben.  Diese  hat  sich  darüber  nicht  beklagt;  im  Geheimen

murrte  sie  wohl  —  einzelne  Akademiker  wandten  sich  auch  in  brieflichen
  Vorstellungen  an  den  König  —;  nachdrücklich  hat  sie  erst.

nach  dem  Sturz  des  Ministers  gewagt,  gegen  ihn  für  ihr  Recht  einzutreten.
  Sie  hat  bis  dahin  Alles,  was  er  wollte,  bestätigt  und
gal»  somit  seinen  Verfügungen  den  Schein,  als  wären  sie  aus  ihrer
freien  Mitwirkung  entsprungen.

Dennoch  wäre  es  Undank,  wollte  man  übersehen,  was  HErTz-BERG
  der  Akademie  geleistet  hat.  Ist  er  es  doch  gewesen,  der  ihr
den  deutschen  Geist  eingepflanzt  und  ihre  Umwandlung  in  eine
deutsche  Akademie  begründet  hat.  Für  die  vaterländischen  Interessen
  wollte  er  sie  in  jeder  Richtung  interessirt  und  thätig  sehen.

Die  vornehmste  Bedingung  hierfür  war  die  Zurückdrängung
des  ausländischen  Elements.  Die  Zahl  der  Akademiker  war  auf
achtzehn  zusammengeschmolzen;  unter  ihnen  befanden  sich  nur  fünf‘
Deutsche:  die  anderen  waren  Schweizer,  Franzosen  (zum  Theil  Mitglieder
  der  französischen  Colonie),  Italiener”.  HErTZBERG  schlug  nun

!  Mit  welchem  pedantischen  Büreaukratismus  und  welcher  Schreibseligkeit
er  die  Akademie  regiert  hat,  dafür  bietet  sein  „Reglement  pour  le  Secretaire  de  la
commission  academique«  vom  30.  October  1737  (Akademisches  Archiv  I,  8)  einen  besonders
  sprechenden  Beweis.

2  GrorGs  Forster  schildert  in  seinem  Briefe  an  Jacost  vom  23.  April  1779
(Sänmmtliche  Schriften,  7.  Bd.  S.  ırz)  die  niederschlagenden  Eindrücke,  die  er  in
Berlin  aufgenommen  hatte.  Nachdem  er  erst  von  der  Enttäuschung  berichtet  hat.
die  ihm  durch  die  berühmten  »vernünftigen,  klugen«  Geistlichen  bereitet  worden
war,  fährt  er  fort:  »Die  französischen  Akademiker?  Lassen  Sie  mich  den  Staub  von
meinen  Füssen  schütteln  und  weiter  gehen«.