Full text : Erinnerungen an die Kriegsjahre im Königlich Preußischen Kriegsministerium. Dritter Band. Wehr und Waffen 1914-1918. (3)

Die  Türkei  185

Leder  und  Gerbstoffe,  Tabak,  Ole  und  Fette  und  in  sehr  bescheidenem
Maße  Lebensmittel.  —  Die  Einfuhr  von  Rohstoffen  aus  der  Türkei
nach  Deutschland  hat  bis  Ende  1017  einen  Wert  von  etwa  214  Millionen
  —  siehe  Anlage  B  —,  bis  Ende  1018  schätzungsweise  von
300  Millionen  Mark  gegenüber  einer  Ausfuhr  (10917)  von  550  Millionen
  gehabt.  Dabei  ist  aber  besonders  hervorzuheben,  daß  Deutschland
alle  seine  Einkäufe  in  der  Türkei  sofort  bar  bezahlen  mußte  und  bezahlt
hat,  während  umgekehrt  die  Kosten  aller  Lieferungen  von  Deutschland
an  die  Türkei  aus  der  deutschen  Reichskasse  vorschußweise  bestritten
oder  von  der  Türkei  aus  den  ihr  von  Deutschland  gewährten  Subsidien
gezahlt  worden  sind.  Trotzdem  das  K.M.  darauf  drückte,  daß  sämtliche
türkischen  Privatkäufe  bei  uns  in  Pfund  bezahlt  wurden,  entstand  bei
uns  ein  beträchtlicher  Mangel  an  türkischen  Pfunden.  Es  gelang  nicht,
eine  Besserung  zu  erreichen.  Andererseits  bestand  in  der  Türkei  eine
starke  Entwertung  der  Papierwährung.  Die  Verpflegung  unserer  Truppen
  in  Asien  konnte  nur  durch  Hartgeld  angekauft  werden.  Als  unser
Silbervorrat  hierzu  nicht  mehr  auereichte,  machte  das  K.M.  (A8)
auf  Ansuchen  des  deutschen  Generalquartiermeisters  in  Kospoli  den  Versuch,
  zur  Beschaffung  von  Hartgeld  einige  Waggons  begehrter  Waren
durch  Vermittelung  einer  Firma  nach  Asien  auszuführen.  Der  Versuch
hatte  Erfolg,  weitere  Maßnahmen  erübrigten  sich  durch  das  Kriegsende.

Nach  allem  kann  hier  die  Ansicht  nicht  unausgesprochen  bleiben,
daß  die  türkischen  Behörden  bei  der  Ausfuhr  von  Rohprodukten  den
eigenen  Vorteil  häufig  zu  sehr  in  den  Vordergrund  stellten  und  dabei
außer  Betracht  ließen,  daß  die  Belieferung  des  völlig  ausgesogenen
Bundesgenossen  mit  Rohstoffen  eine  Hauptbedingung  zur  erfolgreichen
Fortführung  des  gemeinsamen  Krieges  und  zur  Erreichung  des  erstrebten
  Zieles  war;  ganz  abgesehen  davon,  daß  eine  Belieferung  der
Türkei  mit  Kriegsmaterial  nicht  unwesentlich  in  bezug  auf  Mengen
und  Preise  von  den  türkischen  Einfuhren  abhing.  Es  ist  kein  Zweifel,
daß  bei  größerem  Entgegenkommen  und  wenn  Osterreich-Ungarn,  das
sich  an  der  Versorgung  des  türkischen  Bundesgenossen  nur  in  weit
geringerem  Maße  beteiligte,  nicht  häufig  bei  der  Ausfuhr  lediglich
aus  geschäftlichen  Gründen  in  unberechtigter  Weise  bevorzugt  worden
wäre,  die  Ausfuhr  nach  Deutschland  nicht  unerheblich  hätte  vermehrt
werden  können.  Und  ohne  die  rastlose  Arbeit  der  deutschen  Vertreter
in  Konstantinopel  und  ohne  deren  zähe  Tatkraft  hätte  die  verhältnis-