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ßend schnell sich öerbreiteten, mit groͤßtem Enthustasmus aufgenommen
und fast in alle europaͤischen. Sprachen uͤbersetzt wurden.
Allenthalben ehrte und liebte man ihn, und von allen Seiten erhielt
er Zeichen der herzlichsten Anerkennung. So brachte ihm ein ganz
unbekannter Bauer einst eine Fuhre Brennholz vor die Thuͤre; ein
fremder Officier uͤberreichte ihm ein schoͤnes Geldgeschenk, weil Gellert
ihm durch seine herrlichen Schriften die Seele gerettet und den
Weg der Tugend gezeigt habez in Berlin, wohin er einstmals reiste,
und in Karlsbad, wo er eine Zeit lang weilte, wurde er fast auf den
Händen getragen. Ja, als er am 16. December 1760 krank und
niedergebeugt in seiner Stube saß, trat unerwartet ein Bote des grofen
Preußenkönigs Friedrich zu ihm und beschied ihn nach Apel's
Hause, der Wohnung des Königs, weil der Held des Jahrhundertes
ihn zu sehen wünsche. Gellert, der überhaupt schuchtern war, entschuldigte
sich mit seiner Krankheit und mic dem Unvermögen, auszugehen
und viel zu sprechen. Allein der Officier kam bald wieder
und drängte ihn so eifrig, daß er endlich mitging. Auf des Königs
Zimmer entspann sich nun ein langes, merkwürdiges Gespräch; Gellert
bat mit großer Freimüthigkeit den gefeierten Fürsten, daß er
deutsche Gelehrte und Künstler doch ja immer besser möge kennen
und schätzen lernen, und daß er Deutschland nach langem Kriegsjammer
den Frieden gebe; er antwortete dem Könige auf alle Fragen
mit bescheidener Bestimmtheitz er trug endlich zu großer Freude des
Königs seine Fabel „der Maler“ leicht und natürlich vor. Kurz,
der König war äußerst gütig gegen ihn, lud ihn ein, oft wiederzukommen,
und sagte noch am andern Tage bei Tafel: „Das ist der
vernünftigste von allen deutschen Gelehrten!“
II. December.
Kurfürtst Thriltian Friedrich ttirbt.
Mit Recht trauert ein Volk an dem Grabe eines Fürsten, der
während einer langjährigen, segensreichen Regierung sich als den
Vater des Vaterlandes bewiesen hatte; aber nicht minder gerecht ist
sein Schmerz, wenn es sich einen edlen Fuürsten, dessen kurze Regierung
zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, plötzlich in der Blüthe
der Jahre durch den Tod entrissen sieht. So stand das sachsische
Volk am heutigen 17. December des Jahres 1763 schmerzlich bewegt
an dem Grabe seines Kurfürsten Christian Friedrich. Die
Natur hatte ihm in einem schwachen Körper einen starken Geist
verliehen. Groß war von Jugend auf seine Liebe zu den Wisen-