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machten sich damals schon in den kurfuͤrstlichen Ländern geltend, denn in der
öffentlichen Kasse befand sich so wenig Geld, daß die Taufe des jungen Prinzen
mehrere Monate deöhalb aufgeschoben werden mußte. Außerdem mangelte es
in der Mark, namentlich auch in Berlin, an aller Ordnung und Zucht, wie sich
dies kund gab, als im Juni des Jahres 1620 etwa 2000 Mann englischer Truppen,
welche König Jakob I. seinem Schwiegersohne nach Böhmen zur Hülfe sendete,
unter der Anführung des Obersten Grey in Spandau angekommen waren.
Da sich in Berlin das Gerücht verbreitete, Markgraf Johann Georg sei mit
feindlicher Macht vor den Thoren, um sich wegen des im Jahre 1615 erlittenen
Schimpfes nachdrücklich zu rächen, angelangt, so entstand in der Stadt ein
wilder Aufruhr. „Der gemeine Haufe“, meldet hierüber der Kanzler Pruckmann
an den Kurfürsten, welcher damals in Königsberg verweilte, „aus Haß gegen
die Reformirten, geht knurren und murren, daß man die Engländer nicht
abgetrieben habe.“ Als die Engländer daher bei Tempelhof lagerten, um bei
Berlin vorüber nach Böhmen zu ziehen, erscholl plötzlich die Lärmtrommel in
der Stadt, die Bürgerwehr trat zusammen, und zwar, wie der Kanzler schreibt,
„unter Anführung von zwei Leuten, die ihr Lebtage keinen todten Menschen im
Felde gesehen hatten. Da war ein Trommelschlagen, Platzen und Schießen,
auch Schreien überall in beiden Städten Berlin und Cöln die ganze Nacht
hindurch, daß ihrer wohl wenige dieselbe Nacht werden geschlafen haben,
denn es war alles besoffen, was da war. Da hätte man wohlbeschaffene
Musketire sehn sollen; der eine schoß die Lunte mit hinweg, dem andern entfiel
der Ladestecken, dem dritten die Gabel, dem vierten versagte die Muskete zwei
bis dreimal, der fünfte steckte die Nase gar in die Aermel, wenn er schießen
wollte; die denn geschossen hatten, konnten zu keiner Ladung wieder kommen,
also voll waren sie, Summa, man hat nur lauter Schimpf gehabt. Wie es
Morgens drei Uhr schlug, liefen die Wachen ganz ungeberdig davon, und die
wiederum an die Wache treten sollten, waren nicht vorhanden. Da rannte ein
Kerl über eine Stunde herum, und machte auf dem Kalbfell ein Gerassel, ehe
er die andern wieder zu Haufen bringen konnte. Eine andere Rotte, über siebzig
Mann stark, so gar nicht aus den Bürgern gewesen, hat sich dahinter auf dem
Werder in Haufen rottirt, und haben die ganze Nacht auf dem Dudelsack spielen
lassen, auch eine Wagenburg von Tücherwagen um sich geschlagen.“ Wer wird
nicht durch diese Schilderung an ähnliche Vorfälle neuerer Zeit erinnert?
Die Kurfürstin, welche noch von dem Wochenbett angegriffen war, gerieth
über den wilden Lärm in große Aufregung, und auch der junge Prinz wurde
durch das unaufhörliche Schießen dermaßen erschreckt, daß man einen Hofbedienten
absandte, der sich bei der Bürgerschaft über das unziemliche Benehmen
beklagen sollte.
Nach vollzogener Taufe ging die Kurfürstin zu ihrem Gemahl nach
Königsberg, die fürstlichen Kinder aber blieben in Berlin unter weiblicher Obhut
zurück. Vom sechsten Jahre an begann der Unterricht des Kurprinzen, und