Full text : Geschichte der Hohenzollern.

Mit  Holland  kam  es  zu  lebhaften  Erörterungen.  Wohlbegründet  war  es,
wenn  er  in  einem  nachdrücklichen  Schreiben  den  Generalstaaten  vorwarf,  „er  könne
sich  weniger  über  die  Verheerung  seiner  Länder  durch  die  Franzosen,  seine  Feinde,
beklagen,  als  über  die,  denen  zu  Liebe  er  sich  ins  Unglück  gestürzt,  und  die  ihn
nicht  nur  allein  nicht  unterstützt,  sondern  ohne  Rücksicht  auf  das  Völkerrecht
gegen  die  feierlichsten  Verträge  und  Zusagen  verlassen  und  einen  abgesonderten,
ungerechten  und  unerhörten  Frieden  geschlossen  hätten.  Welchen  Trost  könnten
sie  dabei  haben,  zu  sehen,  daß  er,  der  alle  Kräfte  aufgewendet,  fie  zu  retten,  nun
zum  Danke  nur  Verluste  habe?  Er  hoffe  mit  Sicherheit  Schadenersatz  von  ihnen,
behalte  sich  seine  Ansprüche  vor.“  Sein  Schreiben  schloß  mit  der  warnenden
Bemerkung:  „Gott  möge  sie  vor  ähnlichen  Ueberfällen  behüten;  damit  sie  nicht
zu  ihrem  Nachtheile  erführen,  was  es  heiße,  getreue  Freunde  zu  verlassen.“

Zu  einer  Entschädigung  jedoch  waren  die  Generalstaaten  keinesweges  bereit,
sondern  entschuldigten  sich  nur  auf  das  Höflichste  mit  der  Bemerkung,  sie  hätten
sich  um  den  Schutz  seiner  westlichen  Staaten  so  angestrengt  als  möglich  bemüht,
und  wünschten  auch  für  die  Zukunft  mit  ihm  ein  ununterbrochen  gutes  Einverständniß.
  Damit  war  freilich  der  große  Kurfürst  nicht  zufrieden,  und  schon  dachte
er  daran,  Truppen  an  die  Pssel  zu  führen,  und  mit  Gewalt  eine  Entschädigung
zu  erzwingen,  doch  hielt  ihn  die  Erklärung  des  französischen  Cabinettes  davon
zurück,  welches  durchaus  kein  bedeutendes  brandenburgisches  Heer  in  der  Nachbarschaft
  Frankreichs  dulden  wollte;  jedoch  versprach  Louvois  wenigstens  seine
Verwendung  in  Bezug  auf  die  rückständigen  Subsidien.

In  noch  gereizterem  Tone  wurden  die  Unterhandlungen  mit  dem  keiserlichen
  Hofe  geführt.  Als  Friedrich  Wilhelm  die  schimpfliche  Uebereilung  bei  dem
Abschlusse  des  Nimweger  Friedens  vorwarf  und  ebenfalls  auf  Schadenersatz  antrug,
hielt  man  ihm  den  Frieden  von  Vossem  vor,  und  klagte  über  ihn,  daß  er  vom
Jahre  1675  ab  nur  gegen  die  Schweden  seine  Waffen  gewendet  habe,  wogegen
er  mit  vollem  Rechte  erwiedern  konnte,  daß  jener  Friede  nur  eben  eine  nothwendige
  Folge  seiner  gänzlich  verlassenen  Lage  gewesen  sei,  und  daß,  wenn  alle
Bundesgenossen  mit  derselben  Anstrengung  wie  er  die  Reichsfeinde  bekämpft  hätten,
  sich  Niemand  über  das  Endergebniß  würde  haben  beklagen  können.  Mit
aller  Kraft  und  auch  mit  günstigem  Erfolg  widersetzte  er  sich  dem  kaiserlichen
Verlangen,  für  das  den  Franzosen  überlassene  Freiburg  die  Reichsstädte  Ueberlingen
  und  Offenburg  zu  erhalten;  forderte  im  Gegentheil  als  Entschädigung  für
sich  die  Reichsstädte  Dortmund,  Mühlhausen  und  Nordhausen,  wobei  er  jedoch
sowohl  von  Seiten  der  Reichsstände  als  des  Kaisers  auf  unbesiegbaren  Widerstand
  stieß.  Es  fehlte  ihm  nicht  an  ganz  besonderen  Klagepunkten  gegen  den
Kaiser,  der  seiner  Ansicht  nach  die  Rechte  des  Kurhauses  empfindlich  gekränkt
hatte.  Im  Jahre  1675  war  nämlich  der  letzte  Herzog  von  Liegnitz,  Brieg
und  Wohlau  gestorben,  ein  Fürst  aus  Piastischem  Stamm,  mit  dessen  Vorfahren
zur  Zeit  Joachim  II.  vom  Kurhause  ein  Erbvertrag  geschlossen  worden  war.  Da
Priedrich  Wilhelm  zu  jener  Zeit  im  heftigsten  Kampfe  mit  den  Schweden  begriffen.