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Der Marschall galt fuͤr ein großes diplomatisches und militärisches Talent; er
war eine glänzende Erscheinung bei Hofe; seine Vorstellungen erhielten hoͤchsten
Ortes Beifall, und schienen so wohlbegründet. Daher ist es wohl nicht zu
bewundern, daß Fleury's Friedensliebe dem starken Drange der kriegerisch gesinnten
Partei nachgab.
Maria Theresia jedoch hatte keine Ahnung von dieser Stimmung, und
auch Friedrich konnte nicht sicher darauf rechnen, deshalb machte er durch Vermittelung
des englischen Gesandten noch einen Versuch friedlicher Ausgleichung
in Wien, indem er sich mit dem an das Brandenburgische grenzende Fürstenthum
Glogau statt des früher Geforderten begnügen wollte; doch die Königin
ließ ihm ziemlich höhnisch erklären, höchstens würde man ihm verzeihen und
nicht auf Schadenersatz bestehen. Der Königin stolzes Selbstvertrauen ermangelte
nicht ganz aller Stützpunkte, denn sie wußte durch ihren Gesandten am Petersburger
Hofe, den Marquis von Botta, daß die Regentin, im Zerwürfniß mit
dem Premierminister Grafen Münnich, der östreichischen Partei günstig sei, ja,
daß auch der Graf Lynar, als Gesandter des Königs von Polen, nach eben
der Seite hin- wirkte, und mit 30 — 40,000 Mann der Königin von Ungarn
Hülfe leisten zu wollen erklärt habe. Dies geschah im März; zwei Monate
darauf trat Münnich zurück, wodurch die Aussicht auf eine Verwirklichung dieser
Hülfe bedeutend wuchs.
Es war dies ein Moment der verwirrtesten Intriguen in der europäischen
Politik. Sachsen, wo damals schon der Günstling des Königs August III. fast
unbeschränkt gebot, hatte allerdings im ersten Augenblick die Miene angenommen,
als ob es mit Preußen gemeinschaftliche Sache machen wolle, und hätte es auch
wohl gethan, wenn nur von dieser Seite her ein größerer Vortheil zu erwarten
stand. Allein Maria Theresia, unerschütterlich gegen Friedrich II., der ihr mit
gewaffneter Hand einen Theil ihres Erbes nehmen wollte, entschloß sich zu einem
kleinen Opfer, um den kecken Angreifer zu bestrafen; daher machte man dem
Dresdner Kabinette Hoffnung auf das Herzogthum Crossen, welches als Verbindungsglied
zwischen Sachsen und Polen für August II. von ganz besonderer
Wichtigkeit sein mußte. Dadurch war die politische Unterhandlung wieder in ein
neues Stadium getreten, und der Wechsel Sachsens vollkommen erklärlich.
So blieb denn für Friedrich, welcher allerdings auf die Gunst der politischen
Lage, wie sie sich gegen das Ende des Jahres 1740 herausgestellt hatte,
vorgegangen, aber zugleich auf das Schlimmste gefaßt war, nichts weiter übrig,
als die Entscheidung durch die Waffen, und zu dieser wurde jetzt geschritten.
Unverzüglich griff der Erbprinz Leopold von Dessau, welcher das Belagerungs-Heer
vor Glogau führte, auf des Königs Befehl mit seiner ganzen Macht an
und erstürmte den wichtigen Platz am 8. März. Sofort ließ er sich nun hier
huldigen, so wie in allen eroberten Orten; ja schon einige Tage vorher war
in Breslau an die Stelle des Doppeladlers der preußische als Sinnbild der
wirklichen Besitznahme getreten.