Full text : Geschichte der Hohenzollern.

schwer  dadurch  betroffen;  außerdem  hörte  man  mit  Besorgniß  von  einem  Versprechen
  Karl  Alberts,  daß  er  die  Orte,  welche  in  den  Niederlanden  erobert
würden,  von  ihm  als  Kaiser  nie  zurückfordern  dürfte.  Auch  mit  Spanien  war
ein  Subsidienvertrag  vermittelt  worden,  der  dem  Infanten  Don  Philipp  Alles,
was  er  in  Italien  würde  erobern  können,  zusficherte;  ähnliche  Aussichten  eröffnete
  man  dem  Könige  von  Sardinien.

Soeben  hatte  sich  auch  die  Festung  Brieg  ergeben  (den  4.  Mai  1741),
als  der  unermüdliche  Marschall  in  dem  Hauptquartier  eintraf  mit  dem  Vorschlage,
  den  Kurfürsten  von  Baiern  in  seinen  Erbansprüchen  zu  unterstützen  und
auf  den  kaiserlichen  Thron  zu  heben.  Als  Lohn  dafür  bot  er  Niederschlefien.
Friedrich  II.  fand  es  bedenklich,  den  Franzosen  in  den  Angelegenheiten  Deutschlands
  großen  Spielraum  zu  lassen,  und  in  der  Hoffnung,  daß  er  durch  englische
Vermittelung  dasselbe  Ziel  gefahrloser  erreichen  würde,  schlug  er  dem  Vermittler
vor,  den  sächsischen  Hof  durch  das  Anerbieten  von  Mähren  für  die  Sache  des
gemeinsamen  Schützlings  zu  gewinnen,  wohl  nur  um  Zeit  zu  erhalten,  nicht
in  ernstlicher  Absicht.  Währenddessen  unterhandelte  Friedrich  mit  dem  englischen
Gesandten  Lord  Hyndford,  der  freilich,  da  ihm  der  Königin  unerschütterliche  Gefinnung
  bekannt  war,  auf  eine  Gewährleistung  Niederschlesiens  nicht  eingehen
wollte.  Friedrich  II.  hob  hervor,  wie  glücklich  sich  Maria  Therefia  schätzen  könnte,
mit  einem  so  gemäßigten  Sieger  zu  thun  zu  haben.  Obgleich  er  sich  auch  Mährens
  bemächtigen  könne,  so  wolle  er  sich  dessenungeachtet  mit  den  Herzogthümern
Sagan,  Glogau,  Wohlau  und  Liegnitz  begnügen,  ja  um  diesem  Vertrage  die
mildeste  Form  zu  geben,  das  Gebiet  als  Pfand  für  eine  Summe  von  drei
Millionen  zu  bezeichnen,  doch  mit  der  Verpflichtung  für  die  Unterzeichner  desselben,
  daß  niemals  die  Einlösung  des  Pfandes  gefordert  werden  dürfte.  Unter
diesen  Bedingungen  wollte  Friedrich  II.  den  übrigen  Theil  der  pragmatischen
Sanktion  gewährleisten.

Maria  Theresia  wollte  von  allen  solchen  Ausgleichungsvorschlägen  nichts
hören;  allein  ihre  Freunde  geriethen  doch  über  den  Ausgang  des  Streites  in
Besorgniß;  die  schlesischen  Obligationen  waren  zum  großen  Mißvergnügen  der
Holländer  um  funfzehn  Prozent  gefallen.  Deshalb  wurde  die  Sprache  der  Vertheidiger
  östreichischer  Interessen  etwas  milder,  selbst  von  Seiten  Georgs  II.,
trotz  der  von  seinem  Parlament  für  Maria  Therefia  bewilligten  300,000  Pfund
Sterling  Subsidien.  Man  zog  sich  auf  das  Gebiet  diplomatischer  Einwirkung
zurück.  Der  Kurfürst  von  Sachsen  hatte  zwar  an  dem  Tage  nach  der  Schlacht
von  Mollwitz  ein  Vertheidigungsbündniß  mit  der  Königin  von  Ungarn  geschlossen,
vollzog  es  jedoch  nicht,  als  er  die  Nachricht  von  dem  Siege  der  Preußen  erfuhr.
Schon  fing  man  in  Dresden  an,  sich  den  Gegnern  der  Königin  zu  nähern.  Der
Kurfürst  von  Köln,  Bruder  Karl  Alberts,  trotz  der  im  März  erfolgten  Anerkennung
  der  Ansprüche  Maria  Theresias,  sagte  sich  nach  diesem  Ereigniß  wieder
los.  Sogar  auf  den  Papst  durfte  das  Wiener  Kabinet  nicht  rechnen,  da  er,  obschon
  der  Kampf  um  Schlefien  von  ihm  als  eine  katholische  Kirchenangelegenheit

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