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Fast in eben demselben Jahrhundert (der Unterschied beträgt
kaum eine Dekade), da Dionysius schrieb, regierte im
Orient Justinian, ein Regent, der mit Gewalt den Theologen
spielen wollte, ungeachtet er so schlechter Theolog als Regent
war. Kein Kaiser vor und nach ihm war so despotisch
als Kirchengesetzgeber, nahm sich so oft die Freiheit, zu bestimmen,
was seine Bischdfe glauben und was sie nicht glauben
sollen, setzte ab und ein, wie er's für gut fand, versammelte
Synoden und ließ die Synoden so emscheiden, wie er die
Sache schon vorher abgemacht hatte. Unter einem solchen
Regenten mußte das Kirchenrecht nothwendig eine gewaltige
Veränderung leiden, und wie die Bischöse im Occident nach
und nach von der Gewalt ihrer Regenten sich loswanden, so
trugen die Bischöfe im Orient selbst dazu bei, daß die kaiserlichen
Gesetze endlich zu der größten Autorität in der Kirche
kamen. Justinian ersetzte die großen Prälaturen seines Reichs
gar zu sehr nach seiner Willkür, als daß seine Kreaturen, denen
er solche Plätze anvertraute, sich nicht bemüht haben sollten,
seine Gunst zu verdienen.
Ein solcher. Mann war Bischof Johann zu Konstantinopel.
Er war zuerst Advokak, daher ist ihm der Beiname
Scholasticus geblieben. Vom Advokaten ging er zur Theologie
über, wurde Presbyter zu Antiochien, und erwarb sich
hier das Zutrauen seines Patriarchen so sehr, daß ihm dieser
eine Agentenstelle zu Konsiantinopel anvertraute. Jeder Patriarch
mußte zu Konstantinopel am kaiserlichen Hofe seinen
Agenten halten, der die Angelegenheiten des Patriarchats daselbst
betrieb, durch den der Kaiser an einen jeden Patriarchen
bringen ließ, was er etwa von geringerer Wichtigkeit an ihn
gebracht wissen wollte. Johann betrug sich auf diesem Posten
so gut, daß er sich die Gnade des Kaisers Justinian vollbommen
erwarb. Justinian harte um diese Zeit gerade die Grille,