Volltext : Sagenbuch des Königreichs Sachsen

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28.  Die  Ritter  im  Greifensteine.
Gräße,  Bd.  J,  Ar.  516.

Ein  Wanderer,  namens  Jahn,  irrte  bei  Aacht  einst  in  der
Gegend  des  Greifensteins  bei  Thum  im  Walde  umher.  Da  trat
ihm  plötzlich  eine  zwerghafte  Geistergestalt  entgegen  und  winkte
ihm  zu  folgen.  Aicht  ohne  Grauen  folgte  Jahn.  Uber  Stock  und
Stein  führte  ihn  der  Zwerg,  bis  sie  endlich  an  eine  Höhle  Ramen,
die  sich,  sobald  sie  eintraten,  mächtig  erweiterte  und  ein  prächtiges
Ansehen  gewann.  Die  Wände  waren  von  Silber,  die  Tische  und
Stühle  von  Gold.  Tausend  kristallene  Leuchter  mit  langen  Kerzen
verbreiteten  einen  blendenden  Glanz  über  das  ganze  Gewölbe.
Zwölf  Müänner  in  stattlichen  Rittergewändern  mit  langen  Bärten
saßen  an  einer  langen  Tafel  und  speisten.  Der  Zwerg  lud  den
erstaunten  Jahn  ein,  sich  zu  setzen  und  am  Mahle  teilzunehmen.
Der  Hunger  besiegte  die  Schüchternheit,  —  Jahn  setzte  sich  und  aß
und  trank  von  dem,  was  ihm  der  Zwerg  bot.  Mie  noch  hatte  er
so  Röstlich  getafelt;  er  ward  erquicht  und  allmählich  getrosten  und
frohen  Mutes.  Die  zwölf  Männer  schienen  sich  über  ihn  zu  freuen
und  geboten  dem  Zwerge,  sein  BRänzel  zu  füllen.  Miit  herzlichen
Worten  schied  Jahn  von  seinen  gastfreien  Wirten.  Der  Zwerg
führte  ihn  aus  der  Höhle,  die,  wie  Jahn  jetzt  bemerkte,  im  Greifenstein
  war  und  geleitete  ihn  auf  die  Straße,  welche  nach  Böhmen
führte  und  auf  welcher  Jahn  sich  nicht  mehr  verirren  konnte.
Dann  verschwand  jener.  Als  nun  Jahn  sein  Ränzel  umpackte,  um
zu  sehen,  womit  ihn  die  freigebigen  Geister  beschenkt  hatten,  da
fand  er  in  demselben  eine  ziemliche  Anzahl  Barren  gediegenen
Goldes  und  Silbers.  Voller  Freuden  gelobte  er,  dasselbe  recht
gut  anzuwenden.  Er  baute  also  in  der  Gegend  des  Freiwaldes
bei  Thum  mehrere  Häuser,  welche  er  armen  Leuten  ohne  Milietzins
überließ  und  tat  auch  sonst  allerlei  Gutes  an  Kranken  und  Armen.
Später,  als  die  Zahl  jener  Häuser  sich  vermehrte  und  ein  ganzes
Dorf  daraus  entstand,  ward  dasselbe  ihm  zum  Andenken  Jahnsbach
  genannt.