Full text : Zeitschrift für die gesammte Staatswissenschaft. Neunter Band. Jahrgang 1853. (9)

218  Studien  über

hältnisses  von  Ursache  und  Wirkung  zwischen  den  beiden  Momenten,
  vorherrschender  Kleinbesitz  und  Gantenzahl,  wie  er  aus
dieser  Vergleichung  hervorgeht,  noch  kein  vollkommen  schlagender
is.  Um  dies  zu  werden,  müssten  unsere  Gantlisten  ähnlich,  wie
die  belgischen,  nach  Erwerbständen  gegliedert  sein  und  wir  müssten
zugleich  die  Zahl  der  Grundbesitzer  in  den  einzelnen  Acmtern
kennen,  was  beides  nicht  der  Fall  ist.  So,  wie  die  verglichenen
Momente  einander  gegenüberstehen,  bleibt  gegen  die  Richtigkeit
des  Beweises  der  Einwand  möglich,  dass  besondere  Umstände,
gie  nicht  unmittelbar  mit  dem  Kleinbesitz  und  der  weit  fortgeschrillenen
  Bodenzersplitterung  zusammengehen,  der  angegebenen
Verschiedenheit  der  einzelnen  Landestheile  zu  Grunde  liegen.
Es  lässt  sich  namentlich  das  Ueberwiegen  der  Gewerbe,  die
allerdings  bei  den  Vergantungen  vorzugsweise  stark  vertreten
sind,  ferner  der  besondere  Druck,  unter  dem  heutzutage  der
Weinbau  leidet,  als  Erklärungsgrund  des  schlechten  Stands  im
Neckarkreis,  der  darniederliegende  Holzhandel  als  Ursache  der
vielen  Gante  im  Schwarzwaldkreis  anführen,  und  ohne  Zweifel
haben  diese  Momente  ihren  guten  Theil  an  der  aus  der  starken
Gantenzahl  ersichtlichen  Vermögenszerrüttung  des  Volks.  Aber
alle  diese  besondern  Umstände  sind  doch  unzureichend,  um  den
enorm  grossen  Unterschied  zu  erklären.  Denn  auch  dann,  wenn
man  solche  Aemier  aus  dem  Gebiet  des  Theilbarkeilssystemes
und  des  Kleinbesitzes,  welche  keinen  oder  wenig  Weinbau,  wenig
Gewerb,  nicht  viel  Holzproduklion  haben,  und  welche  hauptsächlich
  von  Ackerbau  und  Viehzucht  leben,  mit  andern  ähnlichen
Aemitern  vergleicht,  die  vorzugsweise  geschlossenen  und  grösseren
Grundbesitz  haben,  so  bleibt  doch  noch  immer  eine  ganz  auffallende
  Difterenz.  Man  vergleiche  nur  beispielsweise  einerseits
die  beiden  Aemiter  Teltnang  und  Gerabronn  mit  den  beiden  Aemiern
Leonberg  und  Böblingen.  Von  diesen  gehört  Gerabronn  zu  den
guten  aber  nicht  zu  den  allerbesten  Distrikten  des  Landes,  Tettnang
sogar  kaum  zu  den  mittleren  des  Donaukreises;  beide  aber  haben
vorherrschend  bäuerlichen  Grossbesitz,  Tettnang  dabei  noch  in
den  meisten  Gemeinden  Vereinödung.  Die  Aemter  Leonberg  und
Böblingen  dagegen  gehören  zu  den  bessern  Distrikten  des  Neckarund
  des  Schwarzwaldkreises,  ersteres,  welches  das  reiche  Stroh-