Der Nordische Krieg
in den deutschen Osftleegebieten
(Fortsetzung.)
Einiger
vornehmen Herren
Schreiben
betreifend
die Ursachen,
warum die Stadt Altona
den 9. Jan. 1713 in Brand gesleckt
worden
neblt einigen
Anmerkungen.
Schreiben
aus dem Hauptquartier zu Pinneberg
den 8. Jannar 1713.
Nachdem der Herr General Graf Steenbock zu
Segeberg in Erfahrung gebracht, daß die Dänen in
Altona ein großes Magazin aufgerichtet und daß
man daselbst noch wirklich für die russische und
sächsische Armee brauete und backte, so fand er für
ratsam, seinen Marsch, so er sich nebst seiner bei
sich habenden Armee vorgesetzet, zu verändern und
sich dem Magazin zu nähern, um sich desselben entweder
zu bedienen oder auch es zu vernichten. Als
er aber hiervon genauere Kunde eingezogen und
vernommen, daß das Magazin gar zu groß wäre,
um solches aus Mangel genugsamer Juhre und
Zeil weg zu bringen, sonderlich ja es in der Stadt
gar zu sehr verteilet war, so hätte der Herr General
wohl gewünschet, daß er zu dieser Maßregel
micht hätte greifen dürfen, nur um die armen Einwohner
zu schonen. Allein so hat er, ungeachtet
seines großen Mitleidens, nach Kriegesbrauch zu
diesen Vergeltungsmaßnahmen greifen müssen, weil
er den Brand und die erbärmliche Einäscherung der
uralten Stadt Stade nicht unvergolten lassen können;
doch mit dem Unterschiede, daß, da die Dänen
weder Kirchen noch Einwodner geschonet, seine
Leute dahingegen alle Kirchen schonen müssen und
den Einwohnern Zeit genug gelassen, das Ihrige
in Sicherheit zu bringen. Diese wiewohl erbärmliche
Exekution soll morgen vor sich gehen, welche
unsern Feinden das Conzept wohl ziemlich verrücken
wird, weil sie sonder Zweifel nicht vermutet
haben, daß die Armee hierher kommen würde.
(Il7/1—1720) in Cuellen dargestellt.
Von Cudwig Beyer, (cl. Seminarlehrer.
Schreiben
des Herrn Grafen von Flemming, Feldmarschalls
der sächsischen Armee und des Herrn von Scholten,
General en Chef der Armee des Königs von
Dänemark an den Herrn Grafen Steinbock, General
en Chef der königl. schwedischen Armee in
Deutschland.
Mein Herrl!
Nachdem wir das klägliche Schauspiel, wovon
Altona in verwichener Nacht der Schauplatz gewesen,
und welches noch nicht geendigt, mit ansehen
müssen; eine Tat, dergleichen zu unsern Zeiten unter
Christen noch nicht gesehen worden; überdem
solches harte Verfahren, so viel uns dünket, mit
Eurer Exzellenz Versprechen streitet, und wir nicht
begreifen können, woher eine so schleunige Veränderung
herrühret, so sind wir, da wir uns allhier
befinden, dadurch gezwungen worden, unsere Bestürzung
hierüber an den Tag zu legen und uns
bet Euer Exzellenz zu erkundigen, was Sie doch
dazu veranlasset? Aus Ihrer Antwort nun werden
wir ersehen, wie wir uns untereinander künstig im
Kriege verhalten sollen, welcher unserm Bedünken
nach durch den Vorteil, so Sie in der letzten Aktion
erfochten, noch nicht geendigt.
Und da es sich gar leicht zutragen könnte, daß
wir diesem Beispiel zufolge in Verübung allerhand
Grausamkeiten, obgleich wider unsern, ja gar auch
wider unserer hohen Prinzipalen und Er. Zarischen
Majestät Willen und Neigung, Gleiches mit Gleichem
vergelten könnten. So haben wir doch für
ratsam angesehen, an denselben (Grafen Steinbock)
vorher zu schreiben, um uns zu erkundigen, was
Ihn doch eigentlich bewogen hat, Altona so grausam
anzugreifen? Zum wenigsten können wir ums
getrösten, daß wir an allen Grausamkeiten, von
welcher Art sie auch sein und an welchen wir selbst
einen Abschen haben möchten, nicht Ursach simd:
sondern vielmehr diejenigen, welche zu solchen
Grausamkeiten Anlaß gegeben und welche uns zu
dergleichen Tätlichkeiten den Weg gewiesen.
Womit verbleiben
Sr. Erxzellenz ete.
Hamburg, den. 9. Januar 1713.
Graf von Flemming. J. Scholten.