Full text : Der Betrug am deutschen Volke.

176  Grundbedingungen  des  Wiederaufstieges.

halb  der  Reichsgrenzen  immer  nur  als  unliebsame  Störung  seiner  „Versöhnungs“
bestrebungen  empfunden.  Und  nicht  nur  die  Deutschen  in  diesen  Ländern,  auch  die
in  allen  andern  Ländern  der  Erde  wissen,  sie  haben  von  einem  Deutschen  Reich,  in
dem  die  Schwarzrotgoldnen  regieren,  nichts  zu  hoffen;  die  meisten  werden  der  Ver-“
suchung,  die  Nationalität  ihres  Wirtsvolkes  für  sich  und  ihre  Nachkommen  anzunehmen,
  noch  weniger  widerstehen  können  als  bisher.  Was  sollen  sie  von  einer
Regierung  erwarten,  die  das  ganze  vor  ihren  Toren  liegende  deutsche  Ansiedlungswerk
  in  Posen,  das  Geheimrat  Sering  als  die  hervorragendste  Leistung  aller  Länder
und  Zeiten  auf  dem  Gebiet  der  inneren  Kolonisation  bezeichnet  hat,  so  leichten  Herzens
  einem  Volk  wie  den  Polen  preisgibt?

In  anderen  Staaten  ließen  sich  allerlei  deutschfreundliche  Irredentas  schaffen;
aber  auch  dazu  wären  alldeutsche  Staatsmänner  im  Reich  notwendig,  die  alte,
durch  das  B-System  zerrissene  Fäden,  wieder  anknüpfen  könnten.  Auch  neue
gäbe  es  zu  ziehen.  Das  Judentum  in  Polen  wäre  z.  B.,  wie  die  Verhälknisse  liegen,
ein  gegebener  Stützpunkt  für  die  auswärtige  deutsche  Politik.  Aber  jede  alljüdische
  Regierung  Deutschlands  wird  diese  Lage  nicht,  wie  es  ein  Alldeutscher  täte,
zur  Stärkung  des  Oeutschtums  benützen,  indem  er  alle  polnischen  Juden  na
Polen  abschiebt,  die  deutschen  Grenzen  fest  gegen  jeden  polnischen  Jugang  abschließt,
dadurch  das  Judentum  in  Polen  zum  Ringen  um  sein  Dasein  zwingt  und  es  dabei
nach  Kräften  unterstützt;  das  alljüdische  deutsche  B-System  wird  vielmehr  die  polnischen
  Juden:)  vor  den  Polen  zu  „retten“  suchen,  es  wird  ihnen  die  deutschen  Arme
weit  öffnen  und  das  deutsche  Blut  im  Reich  dadurch  weiter  schwächen;  es  wird  ihnen
zur  Auswanderung  nach  dem  Osten  und  Südosten  behilflich  sein  und  unsere  Feinde,
die  Polen,  von  der  hemmenden  Last  befreien.  Einer  der  hervorragendsten  Führer
der  zur  Jeit  in  Polen  herrschenden  nationaldemokratischen  Partei,  Prof.  Michalski,
hat  bereits  ein  Buch  herausgegeben:  „Moyen  d.  résoudre  la  qucstion  juive
en  Pologne“,  in  der  ein  Plan  zur  „stufenweisen  Verminderung  der  jüdischen
Bevölkerung  in  Polen  durch  planmäßige  Förderung  der  unaufhaltsamen  Auswanderung
  der  Juden  nach  Palästina  und  andern  Ländern“  bis  zur  Juden"
reinheit  Polens  auseinandergesetzt  wird.

1)  Die  „O.  A.  J.“  brachte  in  ihrer  Nummer  389  vom  14.  August  1919  folgende  Mit“
teilung:  „Der  preußische  Minister  des  Innern  gibt  in  einem  Erlaß  an  die  Regierungs“
präsidenten  bekannt,  daß  im  Gegensatz  zu  der  bisherigen  Ubung  Einbürgerungsanträgen
von  aus  Polen  und  Galizien  stammenden  Juden  regelmäßig  stattzugeben  ist,  wenn  die
Antragsteller  in  persönlicher  Beziehung  einwandfrei,  bereits  Lit  längerer  Zeit  in  Preußen
ansässig  sind  und  eine  auskömmliche  Lebensstellung  gefunden  haben.  Früher  wurden
grundsätzlich  jüdische  Polen  erster  Generation  von  der  Einbürgerung  ausgeschlossen,  auch
wurde  unter  dem  Einftuß  der  preußischen  Ostmarkenpolitik  die  Einbürgerung  der  auslän"
dischen  Polen  und  Juden  wesentlich  erschwert.  In  Anbetracht  der  noch  nicht  abgeklärten
außer-  und  innerpolitischen  Justände  sind  zwar  noch  keine  allgemeinen  Einbürgerungs“
grundsätze  festgesetzt  worden,  doch  soll  in  großzügiger  Weise  den  Einbürgerungsanträgen
von  Ausländern  und  ehemaligen  Deutschen  stattgegeben  werden.“  Der  Minister  des  Aus-“
wärtigen  Müller  erklärte  am  Schluß  seiner  Programmrede  vom  23.  Juli  1919:  „Von  allen
wichtigen  Aufgaben  möchte  ich  nur  noch  erwähnen  den  Wiederaufbau  unserer  Handels"
flotte  und  die  Sorge  um  den  Schutz  und  das  Wohlergehen  derjenigen  unserer
  Volksgenossen,  die  durch  die  Verhältnisse  zur  Auswanderung  ges
zwungen  werden.“  Herr  Müller  scheint  bei  den  „Volksgenossen“  an  ganz  bestimmte
Mitglieder  seiner  Regierung  und  an  eine  Auswanderung  aus  Polen  gedacht  zu  haben.
Uberfluß  an  Futterplätzen  haben  wir  nicht  mehr,  sondern  Mangel.  Für  jede  jüdische  Familie,
  die  eingebürgert  wird,  werden  fünf  deutsche  Familien  auswandern  müssen  oder  pro“
geeesssin  sben.  Die  politische  Macht  der  jetzigen  Regierungsmehrheit  wird  dadurch  allerings

  gestärkt.