Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Vierzehnter Band. (14)

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zu  machen,  was  mit  Chanteloup  gemeint  sey.  Nun  war
aber  auch  die  Prinzessin  —  am  französischen  Hafe  verloren.

Und  es  kam  noch  Schlag  auf  Schlag,  um  sie  völlig  zu
stürzen.  Man  fing  zu  Versailles  mit  großem  Schrecken  an
zu  fürchten,  Kdnig  Philipp  mochte  die  Prinzessin  heirathen.
Eine  solche  Besorgniß  allein,  wenn  schon  auch  die  Sache  niemals
  nur  zum  Projekt  kam,  mußte  unvermeidlich  ibr  Ruin
werden.  Man  war  in  Versailles  damit  höchst  unzufrieden,
daß  sie  den  König,  seit  dem  Tode  seiner  Gemahlin,  in  dem
Palaste  zu  Medina  gleichsam  in  einer  Einsiedlers,  Gefangenschaft
  hielt,  und  so  ganz  ohne  Schein  und  Scheu  recht  weltkundig
  über  ihn  herrschte.  Und  nie  konnte  ihr  Ludwig  verzeihen,
  daß  sie  ganz  ohne  seinen  Rath  und  Willen  dem  Kdnig
  von  Spanien  in  der  Prinzessin  von  Parma  eine  Gemahlin
  gegeben,  daß  sein  Enkel  in  einer  fremden  Familie  eine
Frau  sich  ausgesucht,  eine  Heirath  geschlossen  habe,  ohne  ihn,
den  Grohpater,  zu  fragen.  Selbst  schon,  dah  man  eine  parmesanische
  Prinzessin  gewählt  habe,  mißfiel  dem  alten  Großvater,
  und  noch  mehr  die  Art,  wie  es  geschehen.

Der  Sturz  der  Prinzessin  Ursini  wurde  also  zu  Versailles
  beschlossen,  aber  so  in  hochster  Stille  beschlossen,  daß
vorher  Niemand  gewußt  hat  und  nachher  Niemand  erfubr,
wessen  man  sich  zur  Anlegung  des  ganzen  Projekts  bedient
habe,  was  man  gethan  habe,  um  es  zur  Ausführung  zu  bringen.
  Es  gibt  manche  Dinge  in  der  Geschichte,  die  man  so
dunkel  lassen  muß,  wie  sie  einmal  sind,  und  wo  man  sich
keine  erdichtende  Vermuthungen  erlauben  sollte,  um  das  Unzusammenhängende
  zusammenbängend,  und  was  dunkel  ist,  licht
zu  machen.  Es  ist  in  solchen  Fällen  nichts  anders  übrig,
als  das  Faktum  genau  zu  erzählen,  und  seine  pragmatischen
Reflerionen,  die  man  nachher  darüber  machr,  für  nicht  mehr
auszugeben,  als  sie  wirklich  find.