Volltext : Historische Untersuchungen. Heft V. (5)

—  454  —

zumal  solche,  die  irgendwie  weitaussehend  erschienen,  einzulassen  ');
vor  allem  freilich  gebrach  es  ihm  an  der  erforderlichen  Zeit.  Seitdem
  zumal  der  Erzherzog  wiederholt  seine  nahe  Abreise  ankündigte,
drängte  alles  auf  den  Schlufs  hin;  mit  fast  noch  gröfserer  Hast,
als  man  Ende  Juni  die  Verhandlungen  begonnen  hatte,  brachte
man  sie  zwei  Monate  später  zu  Ende.

Im  Grunde  freilich  waren  dem  Reichstage  schon  durch  das
Anbringen  der  Kommissare  in  den  ersten  Augusttagen  die  Lebensadern
  unterbunden  worden.  Von  diesem  Zeitpunkt  an  machte
sich  bereits,  wennschon  ein  plötzlicher  Abbruch  der  Verhandlungen
vermieden  wurde,.  das  Gefühl  geltend,  dals  der  Zweck,  zu  dem
man  sich  in  Speier  zusammengefunden,  als  in  der  Hauptsache  vereitelt
  zu  betrachten  sei?).  In  dieser  Lage  der  Dinge  war  es  vielleicht
  nicht  nachteilig,  dafs  der  Erzherzog  durch  seine  Erklärung
vom  17.  August,  welche  er  am  21.  wiederholen  liefs?),  die  Stände

ı)  Die  Landstände  des  Breisgau  z.  B.,  welche  aus  der  Zeit  der  Bauernunruhen
  her  eine  Entschädigung  von  70,000  Gulden  von  badischen  Unterthanen
  beanspruchten,  brachten  diese  Forderung  vor  den  Reichstag;  ihre  Gesandten
  aber  kehrten  „ungeschaffet  mit  grofsen  Kosten“  zurück:  man  habe
ihnen  allenthalben  gute  Worte  gegeben,  aber  niemand  habe  den  Fuchs  beilsen
und  die  Markgrafen  auf  sich  laden  wollen.  Schreiber,  Urkb.  der  Stadt
Freiburg  III  S.  XXVIlLf.  —  Die  Frankfurter  Gesandten,  da  sie  am  21.  August
über  die  Affaire  Rotenburg  nach  Hause  berichten,  meinen,  es  sei  daraus  zu
vermerken,  „wie  kein  Trost  noch  Hilfe  vom  Reich,  kaiserlicher  Majestät  oder
von  Anderen  zu  hoffen“.  Doch  wurde,  wie  wir  eben  sahen,  gerade  die
Rotenburger  Angelegenheit  noch  in  Speier  beigelegt.

2)  Am  4.  August  berichtet  noch  der  Memmingische  Abgeordnete,  es  vermeinten
  etliche,  falls  nichts  von  dem  1.  Artikel  und  den  Mifsbräuchen  gehandelt
  würde,  so  werde  der  Reichstag  bald  sein  Ende  erreichen;  andernfalls
aber  möchte  es  sich  noch  lange  verziehen.  Schon  am  6.  August  meinen  dann
die  kurpfälzischen  Räte,  dafs  „es  nun  versehentlich  zum  Abschied  komme“,
weswegen  es  ihnen  rätlich  erscheint,  dafs  ihr  Herr,  der  zeitweilig  abwesende
Kurfürst,  baldigst  zurückkehre.  M  zum  6.  August  und  undatiertes  Schreiben
an  den  Kurfürsten  (zw.  7.  und  11.  August).  Am  9.  August  referieren  die
Nördlinger  Abgeordneten:  „Wie  uns  die  Sachen  ansehen,  so  wird  dieser
Reichstag  nicht  lang  wierig  sein.“  —  Merkwürdig  ist,  dafs  eine  englische
Zeitung  aus  Speier  vom  11.  August  (Brewer,  Letters  and  papers  IV,  2,
S.  1066  f.  nr.  2289)  bereits  weils,  dafs  der  Erzherzog  nach  zehn  Tagen  nach
Österreich  aufbrechen  werde;  sollte  das  Datum  dieser  Aufzeichnung  richtig
sein?

3)  W  zum  21.  August:  Jetzt  sei  Botschaft  gekommen,  dafs  der  Türke
nach  Peterwardein  noch  drei  Schlösser  genommen  habe  und  nur  noch  zwölf
Meilen  von  den  Ungarn  entfernt  sei;  Ferdinand  könne  daher  nur  noch  bis
Ende  der  Woche  (25.  August)  in  Speier  bleiben.