Full text : Militärstrafgerichtsordnung.

Zweiter  Teil.  Verfahren.  §§  249,  250.                                       215

Wird  der  Antrag  als  unzulässig  oder  als  unbegründet
  verworfen  oder  durch  Verzicht  oder  Unterlassung
der  Sicherheitsleistung  zurückgenommen,  so  sind  dem  Antragsteller
  die  durch  das  Verfahren  über  den  Antrag  veranlaßten
  Kosten  aufzuerlegen.  ¹a)

Erachtet  dagegen  das  Reichsmilitärgericht  den  Antrag
für  begründet,  so  beschließt  es,  daß  ein  strafrechtliches
Einschreiten  gegen  den  Beschuldigten  stattzufinden  habe.  ²) ³)
Auf  Grund  des  Beschlusses  hat  der  Gerichtsherr  nach
Maßgabe  des  §  250  zu  verfahren.⁴ )

1)  Vgl.  §  172  RStrPO.  

1a)  Diese  formelle  Auferlegung  der  Kosten  hat  immer
stattzufinden,  auch  wenn  aus  den  Akten  sich  nicht  ergibt,  daß
solche  entstanden  sind.  So  die  Praxis  des  RMGer.

2)  Vgl.  §  471  Abs.  2.

3)  Ein  Antrag,  welcher  solche  neue  Tatsachen  oder  Beweismittel
  nicht  enthält,  wird  von  dem  Gerichtsherrn  als  unzulässig
zurückgewiesen.  Rechtsbeschwerde  und  Antrag  auf  gerichtliche
Entscheidung  ist  unzulässig.  RMGer.  I.  29.  Okt.  1903.  E.  6,₈₆.
Selbstverständlich  muß  der  angerufene  höhere  Gerichtsherr
bzw.  das  Reichsmilitärgericht  prüfen,  ob  keine  neuen  Tatsachen
usw.  angeführt  sind.  Kommen  sie  aber  zu  der  gleichen  Ansicht,
wie  die  Vorinstanz,  so  ist  in  eine  weitere  Prüfung  nicht  einzutreten,
  sondern  die  Rechtsbeschwerde  bzw.  der  Antrag  auf
gerichtliche  Entscheidung  als  unzulässig  zu  verwerfen.

  4)  Die  erkennenden  Gerichte  sind  weder  in  tatsächlicher
noch  in  rechtlicher  Hinsicht  an  den  Beschluß  des  Reichsmilitärgerichts
  gebunden.

250.  Liegt  gegen  den  Beschuldigten  hinreichender
Verdacht  einer  strafbaren  und  militärgerichtlich  verfolgbaren
  Handlung  vor,  so  hat ¹ )  der  Gerichtsherr,  sofern
nicht  Disziplinarbestrafung  eintritt  (§  3  des  Einführungsgesetzes
  zum  Militärstrafgesetzbuch)  oder  eine  Strafverfügung
  ²)    erlassen   wird,  die  Anklage  zu  verfügen  oder
die  Sache  an  den  zuständigen  Gerichtsherrn  abzugeben. ³ )⁴ )  

1)  Nach  dem  hier  anerkannten  Legalitätsprinzip  ist  der
Gerichtsherr  verpflichtet,  gegen  den  hinreichend  verdächtigen