Full text : Zwang und Freiheit in der Jugendpflege.

Zwang,  Freiwilligkeit  und  Selbstbestimmung  als  Erziehungsmächte.  55

mir  herauszugeben.  Da  stand  darunter:  Mit  diesem  Spiele  spielte
der  Apapa  mit  uns  Domino.  Ich  habe  auch  Friedrich  Wilhelm
Foerster  gefragt  und  ihn  gebeten,  einmal  über  das  Spiel  zu
schreiben.  Das  einzige  wertvolle  Buch  auf  diesem  Gebiete,  das  ich
kenne,  ist  von  dem  Tübinger  Philosophen  Professor  Karl  Groos

„Der  Lebenswert  des  Spieles“.  Groos  ist  derselbe,  der  „die  Spiele
der  Tiere  und  die  Spiele  der  Menschen“  herausgegeben  hat.  Ich  habe  an
die  Verlagsfirma  geschrieben  und  vertreibe,  wo  ich  kann,  den  „Lebenswert
  des  Spieles“.  Ich  wollte  nur  das  volkstümliche  Wort  „Spiel“
einmal  in  die  Debatte  hineinwerfen.  Damit  könnte  man  der  Jugend
in  mancher  Hinsicht  helfen.

Direktor  Dr.  Diebow,  Berlin  (Kal.  Landesturnanstalt  in
Spandau):  Meine  Damen  und  Herren!  Manche  Fragen,  Zweifel
und  Bedenken,  die  ich  bei  dem  ersten  Herrn  Redner  hatte,
ind  inzwischen  durch  das,  was  Fräulein  Dr.  v.  Harnack  geprochen
  hat,  erledigt  und  gelöst  worden½).  Nur  auf  einen  Punkt
möchte  ich  als  Direktor  der  Landesturnanstalt  hinweisen.  Es
ist  von  allen  Rednern  von  dem  hohen  Werte  und  der  großen  Bedeutung
der  körperlichen  Ertüchtigung  gesprochen  worden.  Es  ist  aber  in  den
ersten  Reden  eigentlich  nur  auf  die  gesundheitliche  Seite  der  S
oder  auf  die  Bedeutung  für  die  Wehrkraft  oder  auf  die  ästhetische
Seite  und  dergl.  hingewiesen  worden.  Darin  scheint  mir  eine  Verkennung
  der  Bedeutung  unserer  Leibesübungen  zu  liegen.  Wenn
wir  bedenken,  unter  welchen  Gesichtspunkten  Friedrich  Ludwig
Jahn  einst  das  Turnen  begründet  hat,  so  sind  doch  die  fittliches
Gesichtspunkte  nicht  nur  bedeutend,  sondern  sogar  die  hervorragenden.
Ihm  schwebte  vor  Augen,  eine  Jugend  zu  schaffen,  die  rein  und
ringfertig,  keusch  und  kühn,  tugendhaft  und  tüchtig,  wahrhaft  und
wehrhaft  sei.  Ihm  schwebte  vor,  durch  die  Leibesübungen  das  verlorene
  Gleichgewicht  der  menschlichen  Bildung  wieder  herzustellen,
und  ich  glaube,  daß,  wenn  von  der  Bedeutung  der  körperlichen  Erziehung
  gesprochen  wird,  wir  diesen  Gesichtspunkt  unter  keinen
Umständen  unter  den  Tisch  fallen  lassen  dürfen.  Es  darf  nicht  so
aussehen,  als  ob  die  Leibeserziehung  zwar  etwas  notwendiges  für  die
Gesunderhaltung  wäre  oder  als  ob  die  Leibeserziehung  nur  für
den  Krieg  durchaus  zu  fördern  und  notwendig  sei,  sondern  wir  wollen
uns  immer  daran  erinnern,  daß  ein  gut  Teil  geistiger  und  sittlicher
Tüchtigkeit  dadurch  erzielt  wird  und  daß  die  Forderung  der
Scheidung  geistiger  und  körperlicher  Beeinflussung  doch  nur  relativen
Wert  haben  kann,  daß  wir  den  Menschen  als  ganzen  Menschen  nach
seiner  körperlichen  und  nach  seiner  geistigen  und  sittlichen  Seite
erfassen  müssen,  so  daß  wir  die  körperliche  Erziehung  auch  als  Mittel
zu  seiner  sittlichen  Ertüchtigung  auffassen  wollen.

1)  Aus  Rücksichten  der  Zeiteinteilung  guen  zie  Vorträge  von  Herrn  Geheimrat
  Seefeld  und  Fräulein  Dr.  von  Harnack  vor  Abschluß  der  Aussprache
über  den  Vortrag  von  Herrn  Professor  Fischer  gehalten  werden.  So  erklärt

Flich,  des,  dert-  der  Kedner  auf  den  Vortrag  von  Fräulein  Dr.  von  Harnack  zuen

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