— 711 —
lichen Stellungen im Aisnetal. Eine über das Grenadier-Regiment
Prinz Carl abgehaltene Parade mit Ansprache an das Regiment
in ausgezeichneter Haltung beschloß die Anwesenheit des Allerhöchsten
Kriegsherrn bei den Truppen.
Auf der Fahrt fielen aufgestellte Trains Seiner Majestät in vor-
teilhafter Weise auf und befahlen Allerhöchstdieselben mir, der
1. Armee die größte Anerkennung über die bei den Armeekorps bei
widerholtem Besuche wahrgenommenen vortrefflichen Eindrücke zur
Kenntnis der Armee zu bringen.
Indem ich mich dieses Allerhöchsten Befehls entledige, spreche ich
den Herren Kommandierenden Generalen, sowie den sämtlichen unter-
stellten Truppen meine Glückwünsche aus.
Vorwärts! gez. v. Kluck.
Der Dank verwundeter Franzosen.
Die im St. Vinzenz-Krankenhaus in Paderborn untergebrachten
französischen Soldaten haben ihren Dank für die ihnen zuteil gewordene
gute Behandlung durch folgendes Schreiben zum Ausdruck gebracht:
Paderborn (Westf.), Hosbital St. Vinzenz, den 4. Oktober 1914.
An den Herrn Ministerpräsidenten, Bordeaux (Frankreich).
Herr Präsident!
ZIm Hinblick auf die sympathische Aufnahme, welche die verwun-
deten Franzosen im Hospital St. Vinzenz erhalten, ist es uns eine
Pflicht, Ihnen Mitteilung zu machen von dem lobenswerten Eifer,
mit welchem das ärztliche und Verwaltungspersonal bemüht ist, unsere
Lage zu verbessern. Wir sind glücklich, Ihnen zu versichern, daß wir
in dieser Anstalt die vollständigste und hingebendste Sorgfalt gefunden
haben, die genau derjenigen entspricht, die unseren deutschen Kame-
raden gewidmet wird. Wir wissen wohl, daß bei Beginn der Feind-
seligkeiten von Ihnen Instruktionen gegeben worden sind, daß eine
ähnliche Haltung in den französischen Hospitälern den fremden Ver-
wundeten dargebracht wird. Sie haben recht gehabt, als Sie Ver-
trauen in die Hochherzigkeit des deutschen Volkes setzten, und diese
Zeilen haben nur den Zweck, Sie zu ermutigen, Ihre Stellungnahme
beizubehalten. Tragen Sie dazu bei, wenn möglich in unserm teuren
Lande das Mitgefühl gegen fremde Verwundete noch zu verstärken,
denn es ist ein Trost, im Exil fern vom Vaterlande Asyle zu finden,
wo unbeeinflußt und großmütig Friede und Nächstenliebe regieren.
Darunter folgen 36 Unterschriften von Unteroffizieren und Soldaten
der verschiedenen französischen Regimenter. Die photographische Wieder-
gabe des Originalschreibens liegt dem Kriegsministerium in Berlin vor.
(Berl. Tageblatt, 8. November.)
Eine Kaiserrede in Feindesland.
Ein Arzt, der im Felde steht, schreibt dem Berl. Tageblatt vom
4. November:
. Ein sommerlich warmer Tag: der 1. November 1914. Die seit vier-
zehn Tagen von den Deutschen besetzte Stadt zeigt militärisches
45