Kurzsichtigkeit — Küssen. 719
sofort ärztlich untersuchen, denn oft steckt ein Herz= oder Lungenfehler dahinter
oder ein gefährliches akutes Halsleiden. Bei Asthma, bei allgemeiner Schwäche,
bei Blutarmut tritt Kurzatmigkeit ein.
Behandlung. Man vermeide überanstrengung solcher Personen, führe
aber tägliche Gymnastik, wohlangepaßte Ernährung und systematisches Bergsteigen
ein bei gutem Kräftezustand. Bei sehr Geschwächten ist die Koflersche
Atemgymnastik äußerst wirksam (siehe „Atemgymnastik“), auch Wasseranwendungen,
je nach dem Zustand, sind empfehlenswert: Kniegüsse, Wadenpackungen,
Wassertreten.
Kurzlsichtigkeit. An anderer Stelle schon haben wir die Brechfehler
des Auges erklärt und der „Kurzsichtigkeit“ infolge fehlerhaften Baues des
Augapfels Erwähnung getan. Wir wiederholen, daß die Bilder bei zu langem
Augapfel schon vor der Netzhaut zustande kommen, so daß auf derselben
nur undeutliche Bilder entstehen. Daher tragen Kurzsichtige Konkavbrillen,
welche die Brechkraft des Auges vermindern und das Bild auf die richtige
Stelle bringen.
Behandlung. Sie ist noch wenig erprobt, obwohl in der letzten Zeit
verschiedene Theorien der Behandlung auftauchten. Ist auch an der angeborenen
Kurzsichtigkeit nicht mehr viel zu ändern, so sind doch die erworbene und
jene mit deutlichen Zirkulationsstörungen und Nervenstörungen verbundene
zu beeinflussen. Ableitung in Form heißer Fußbäder, kalter Leibaufschlag,
heiße Kräuter= oder Solbäder, Gymnastik, Halsmassage, um die Kopfgefäße
besser zu entleeren, Sehübungen in die Ferne, viel Aufenthalt im Freien und
Vermeidung anstrengender Naharbeit (Sticken, Lesen, Schreiben) neben richtiger
Pflege des Darmes haben bedeutende Besserung und Beseitigung lästiger
Beschwerden erzielt. Bei Kindern ist stets der ganze Mensch in Betracht zu
ziehen und ist alljährlich durch mehrwöchige Kuren und Regelung der ganzen
Lebensweise gegen die zunehmende Kurzsichtigkeit anzukämpfen. Nicht Brillen
„heilen“ in der Jugend, wohl aber Gartenarbeiten, Barfußlaufen, Atemgymnastik!
Könnte man alle Bureauarbeiter und Schüler auf das Feld
hinaustreiben, so könnte man die Hälfte aller Kurzsichtigen heilen.
Küssen. Das weibliche Geschlecht ist das kußlustige; seine Zärtlichkeit,
seine Hingebung, sein Verkehr mit der liebreizenden Kinderwelt verleiten es
viel mehr zum Küssen, als dies beim männlichen Geschlecht der Fall ist. Das
ist an und für sich natürlich und nicht unrecht, hat aber auch seine Gefahren.
Wir wissen, wie viele Menschen kranke Zähne, ebensolchen Speichel, üblen
Mundgeruch usw. haben, ferner wie durch Atem und Haut allerlei Krankheitsstoffe
übertragen werden; es ist daher das Küssen auf den Mund unter
Umständen ungesund und unangenehm und sollte durchaus vermieden werden.
Kinder lasse man niemals auf den Mund küssen! Auch zu
häufiges Küssen auf die Wangen kann Ausschläge erzeugen. Die Sitte in
Osterreich und in slavischen Ländern, sich bei allen Gelegenheiten mit Küssen