Full text : Briefe und Akten zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges. Neunter Band. (9)

658  1611  284.

Juli  16.  tragen,  es  zu  gebrauchen,  da  er  noch  an  jenem  Tage  tiber  siebzig
Schriftstücko  selbst  unterzeichnet  hat.

Am  12.  hat  der  königliche  Oberstk  ämmerer  Meggau  mir  gesagt,  der
König  finde  sich  E.  fl.  D.!  wegen  Dero  Bemühungen  bei  den  geistlichen
Kurfürsten  sehr  verpflichtet.  Zugleich  hat  er  sehr  über  des  Kaisers
Zögern  bei  der  Verhandlung  geklagt,  weshalb  man  das  Kriegsvolk  mit
so  vielen  Ungelegenheiten  und  Kosten  noch  unterhalten  müsse.

„Den  13.  hat  der  bischof  Glösel  mich  in  des  königs  anticamen
berichtet,  das  der  erzherzog  [Maximilian]  durch  ainen  aignen  curir  ihn
und  nit  I.  kgl.  M.!  avisirt  habe,  das  I.  fl.  D.*  in  vertrauen  bericht
zukommen,  das  dise  erbländer  sich  unter  einander  ohne  des  kaisers
und  königs  vorwissen  von  neuem  uniren  und  eine  confoederation  n
erhaltung  ihrer  praetendirtem  libertet  und  freiheit  aufrichten  wöllea;
bitten  umb  seinen  [Khlesis]  rat,  wie  solches  zue  verhueten  sei.!  Solches
hab  er,  bischof,  gern  thuen  wöllen,  aber  durch  schreiben  und  nomik
suo  kunn  es  allerhand  ursachen  und  bedenken  halber  nit  geschehn
Habe  derbalben....  mit  der  kgl.  M.!  vorwissen  I.  fl.  D.‘  discurswei
in  tertia  persona  seine  meinung  wissen  lassen,  als  ob  ihme  der  diseur
von  ainem  andren  zukommen  sei  und  er  denselben  durchaus  approbin.
Habe  I.  fl.  D.  gleichwol  daneben  geschrieben,  es  komme  itz  dar,
was  er  vor  disem  zu  Wien,  als  man  der  catholischen  religion  so  vile
in  gegenwart  des  kunigs  und  I.  fl.  D.‘  vergeben,  geprognostizirt  uni
und  bei  seiner  protestation  eingewendet  habe  und  sei  numehr  zu  spät,
der  religion  mit  tractiren  und  handlen  zu  helfen  sonder  muesse  mau
iziger  zeit  nur  dabin  sehen  und  trachten,  wie  das  haus  Oesterreich  erhaltes
und  durch  das  politisch  regiment  die  catholische  religion  restituint
werden  möge.  Davon  zu  tractiren  und  beratschlagen  sei  hochnötig,
das  das  hauss  Oesterreich  zuesammenkomme;  solches  aber
muesse  unter  solchem  praetext  geschehn,  der  den  erbländern  kainen
verdacht  verursache  und  kunn  er  kainen  besseren  finden  als  wan
der  könig  in  Hungern  werde  hochzeit  halten;  das  E.  fl.  D.'  in  der
person  bei  allen  erzherzogen  und  kgl.M.'  in  Hispanien  durch  gesantes’
auf  derselben  erscheine,  weil  die  sache  der  wichtikait,  das  des  hass
Oesterreich  und  der  catholischen  religion  genzlicher  undergang  oder
aufnemen  daran  gelegen;  dan  dise  union  allein  zu  erhaltung  ihrer
vermainten  libertet  gemaint  ist  und  zu  des  haus  Oesterreich  verderben,  alx
das  der  erbländer  union  und  kaisers  Ferdinandi  disposition  und  andere  ds
haus  Oesterreich  pactata  e  diametro  gegen  einander  streiten.  Derhalben  si
hochnötig  zu  deliberiren,  wie  man  die  union  der  erbländer  trenne  und  de
compactata  des  haus  Oesterreich  in  ihrem  esse  erhalten  und  dadurch  dit
catholische  religion  wider  restituiren  möge.  Er  saget  mir,  das  zwar

—,—

!  Das  Schreiben  Khlesls  an  Erzherzog  Maximilian  vom  12.  Juli  bat
sich  nicht  erhalten,  wol  aber  die  Antwort  vom  24.  Juli;  vgl.  unten  no.  30%,
S.  626,  Anm.  1.  Wegen  der  Gefahr  einer  Union  der  österreichischen  Erblande
  vgl.  auch  no.  232,  no.  234  und  no.  2656,  S.  610,  Anm.  4.

?  Die  chiffrierte  Stelle  scheint  unrichtig  aufgelöst  worden  zu  sein.