Soll Schweinitz bei Beust in Konzilsfrage vorfühlen? 287
von Bauern gewünschten Mitwirkung in Rom bereit sind; aber daß wir durch eine ab-
wartende Haltung Bayerns uns um so weniger verletzt fühlen werden, als wir die önteressen
Bayerns und der katholischen Regierungen überhaupt bei weitem mehr dabei im Spiel
erachten als die unfrigen.
*1529. Erlaß an den Gesandten in Wien von Schweinitz.
[Konzept von der Hand des Vortragenden Nats Abeékenl.
Berlin, den 13. März 1870.
Ew. pp. übersende ich in der Anlage im engsten Vertrauen und nur zu Shrer eigenen
persönlichen Kenntnisnahme Abschrift eines Berichts des Königlichen Gesandten in Rom vom
4. d. M.:, das Konzil betreffend. Sie werden daraus ersehen, daß Herr von Arnim, wenn
keine unvorhergesehenen Ereignisse eintreten, an dem Siege der ultramontanen Partei und der
Proklamierung der Infallibilität nicht zweifelt, und welche Gefahren er davon, nicht als eine
unmittelbare Folge, wohl aber als eine unausbleibliche NMachwirkung erwartet, sowie,
daß er das einzige, vielleicht noch zur Berhütung der Sache geeignete Wittel in einer jehr
kategorischen Erklärung der Regierungen, daß sie das Konjil nicht als ein ökumenisches
anerkennen würden, und zwar vorzugsweise der österreichischen Regierung sieht.
Die in meinem Erlaß Ar. 55 vom 16. v. M.“ enthaltene NRotiz läßt mich annehmen, daß
der Gesandte auch jetzt darin die Ansichten und Wünsche der österreichischen Büschöfe aus-
Ipricht, welche gern einen Rückehalt an ihrer Regierung haben möchten, und welchen es doch
an Gühlung sowohl mit dem — protestantischen — Neichskanzler als mit dem jisleithanischen
Ministerium feblt, und welche, wie es scheint, auf diesem Umwege teils einmwirken, teils
wenigstens sich Sicherheit zu verschaffen wünschen.
Wie dem aber auch sei, die in dem eben angezogenen Erlaß niedergelegten Erwägungen
mahnen auch jetzt noch ebensosehr zur Vorlicht.
Ich überlasse es hrem eigenen Gefühl wie den Bejziehungen, welche sich zwischen Ihnen
und dem Neichskanzler gebildet haben, ob Sie glauben, demselben von der Sache sprechen und
die Lage der Dinge in Rom mit ihm diskutieren zu sollen. Einen Auftrag dazm erteile ich
Ihnen nicht; und wenn Sie nach den Dispolitionen, die Sie bei dem Neichskanzler antreffen
oder voraussetzen, lieber den Gegenstand nicht berühren zu sollen glauben, so bitte ich darin
ganz dem eigenen Dafürhalten zu folgen.
Abgeseben von dem Umstand, den ich schon in meinem ersten oben erwähnten Erlaß ber-
vorgehoben, nämlich daß man bei dem Leiter der österreichischen Holitik niemals sicher sein
kann, ob er nicht irgendeine ihm gegenüber getane Demarche zunächst, statt sie rein gachlich
aufmnehmen und zu behandeln, im Sinne anderer und zumeist freilich uns feindlicher Interessen
ausbeuten und verwerten werde — abgesehen von diesem Mißtrauen, sage ich, ist es mir auch
sehr zweifelhaft, ob der Reichskanzler überhaupt in der Lage ist, der österreichischen Politik
gegenüber der Kurie einen Jo entschiedenen Charakter aufzuprägen, wie es Herr von Arnim
Das Konzept trägt den Vermerk von der Hand Blemarcks: „Vlon] Slelner Mlojeftöts glenehmisgt.)"
* Vgl. Ar. 1527, Vordem.
* Siebe Nr. 1507.