Full text: Das Staatsrecht des Deutschen Reiches.

ß 46. Quellen des Militärrechts u. s. w. 455 
bilden wie diejenigen, welche der König von Sachsen rücksichtlich der sächfischen 
Truppen hat. 
Zum Schlusse soll noch Folgendes hervorgehoben werden: nach der Militär- 
strafgerichtsordnung vom 1. Dezember 1898 (R.-G.-Bl. 1898, S. 1189) 
liegt der Erlaß der Bestätigungsorder und mithin das Begnadigungsrecht den 
Contingentsherren ob (§ 418), indeß hindert dies die Einheitlichkeit des Heeres so 
wenig wie das Recht der Landesherren auf Begnadigung in Zoll= und Steuerfachen 
(Art. 18 des Zollvereinigungsvertrages vom 8. Juli 1867) die Einheit des Zoll- 
und Handelsgebiets aufhebt. 
Die Armeeverordnungen, die nicht vom Reiche selbst ausgehen, werden 
in Sachsen als sächsische und in Württemberg als württembergische erlassen. Dies 
ist aber nur leerer Schein. Denn diese Verordnungen schreibt der König von 
Preußen vor. Diese Verordnungen sind thatsächlich die gleichen für das Reichs- 
heer; nur aus äußerer Rücksichtnahme ist nachgelassen, daß sie in Württemberg 
und Sachsen von dem Landesherrn verkündet werden (Art. 63, Abs. 5 der Ver- 
fassung). Sobald der König von Preußen es will, find diese Verordnungen ab- 
zuändern oder aufzuheben 1: ein sicherer Beweis dafür, daß das deutsche Heer trotz 
so mancher den Contingentsherren gebliebenen Ehrenrechte ein einheitliches ist. 
§ 46. Ouellen des Militärrechts. Gesetzgebung und Verordnung. 
Die militärische Ordre. 
Nach Art. 4, Ziff. 14 der Reichsverfassung unterliegen „der Beaufsichtigung 
Seitens des Reichs und der Gesetzgebung desselben“ „das Militairwesen des Reichs 
und die Kriegsmarine“. Auf Grund dieser Vorschrift ergingen hauptsächlich: 
1) Gesetz, betreffend die Verpflichtung zum Kriegsdienste, 
vom 9. November 1867 (Kriegsdienstgesetz) (B.-G.-Bl. 1867, S. 131); 
eingeführt in Baden und Südhessen, Württemberg (B.-G.-Bl. 1870, S. 647, 655), 
in Bayern (R.-G.-Bl. 1871, S. 398) und Elsaß-Lothringen (R.-G.-Bl. 1872, S. 33); 
ergänzt und bezw. abgeändert durch: 
a. Gesetz, betreffend Aenderungen der Wehrpflicht, vom 11. Februar 1888 
(R.-G.-Bl. 1888, S. 11) und b. Gesetz, betreffend die Wehrpflicht der Geistlichen, 
vom 8. Februar 1890 (R.-G.-Bl. 1890, S. 23). 
2) Reichs-Militärgesetz vom 2. Mai 1874 (R.-G.-Bl. 1874, S. 45), ergänzt 
und bezw. abgeändert durch: a. Gesetz, betreffend Ergänzungen und Aenderungen 
des Reichs-Militärgesetzes vom 2. Mai 1874, vom 6. Mai 1880 (R.-G.-Bl. 1880, 
S. 103), b. Gesetz, betreffend Aenderungen des Reichs-Militärgesetzes vom 2. Mai 
1874, vom 31. März 1885 (R.-G.-Bl. 1885, S. 81), c. Gesetz, betreffend Aende- 
rungen des Reichs-Militärgesetzes vom 2. Mai 1874, vom 27. Januar 1890 
(R.-G.-Bl. 1890, S. 7), d. Gesetz, betr. Aenderungen des Reichs-Militärgesetzes u. s. w. 
vom 25. März 1899 (R.-G.-Bl. 1899, S. 215). 
3) a. Gesetz, betreffend die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres, 
vom 11. März 1887 (R.-G.-Bl. 1887, S. 117), geändert durch: b. Gesetz, be- 
treffend die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres, vom 15. Juli 1890 
(R.-G.-Bl. 1890, S. 140), c. Gesetz, betreffend die Friedenspräsenzstärke des deutschen 
Heeres, vom 3. August 1893 (R.-G.-Bl. 1893, S. 233), d. Gesetz, betreffend 
Aenderung des Gesetzes vom 3. August 1893, vom 28. Juni 1896 (R.-G.-Bl. 1896, 
S. 179), e) Gesetz, betreffend die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres, vom 
25. März 1899 (R.-G.-Bl. 1899, S. 218). 
4) Gesetz, betreffend die Ersatzvertheilung, vom 26. Mai 1893 (R.-G.-Bl. 
1893, S. 185). 
5) Gesetz, betreffend die Ausübung der militärischen Kontrole über die 
Personen des Beurlaubtenstandes, die Uebungen derselben, sowie die gegen sie 
zulässigen Disziplinarstrafmittel, vom 15. Februar 1875 (R.-G.-Bl. 1875, S. 65). 
  
1 Siehe weiter unten, S. 462 ff.
	        
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