Full text : Bismarck, Die gesammelten Werke, Band 6a.

in  der  Entwicklung  jede  Stufe  notwendig  war,  da  es  in  der  Entwicklung,
  d.  h.  in  der  Natur,  keine  Sprünge,  sondern  nur  Übergänge  gibt.

Alle  Entwicklung  der  Gesellschaft  fängt  also  recht  eigentlich  mit
dem  Augenblick  an,  in  dem  der  Mensch  über  mehr  Produkte  verfügte  als
zum  Unterhalt  notwendig  waren;  er  konnte  nun  die  disponible  Zeit
dazu  verwenden,  teils  Produktionsmittel  zu  erzeugen  und  zu  verbessern
  und  teils  für  die  Erweiterung  seiner  Bedürfnisse,  fei  es  direkt
oder  durch  Austausch  zu  arbeiten.  Auch  hier  muß  das  Erkennen  der
Bedürfnisse  vorangegangen  sein,  d.  h.  die  Erweiterung  der  Produktion
ist  im  Kopfe  entstanden  und  nicht  ist  sie  das  Ursprüngliche  gewesen,  dem
sich  das  Bedürfnis  angepaßt  hat.

Der  ÜUberschuß  der  Produktion  über  die  Unterhaltungskosten,
d.  h.  die  Quelle  des  Mehrwerts  ist  nicht  nur  der  Ursprung  aller  gesellschaftlichen
  Entwicklung,  sondern  er  ist  überhaupt  die  Grundlage  und
Möglichkeit  aller  gesellschaftlichen,  politischen  und  intellektuellen  Fortentwicklung,
  d.  h.  aller  fortschrittlichen  Entwicklung  überhaupt.

Der  Krieg,  um  Sklaven,  d.  h.  um  Arbeitskräfte  zu  gewinnen,  ist
vielleicht  der  einzige,  in  dem  die  Ursache  rein  kapitalistisch  gewesen  ist,
da  der  Sklave  mit  seiner  Arbeitskraft  ein  Hauptbestandteil  des  derzeitigen
  Kapitals,  d.  h.  der  Produktivkräfte  war.  Daß  der  Eintritt  der
Sklaverei  ein  bedeutender  Fortschritt  in  der  Kulturentwicklung  und
für  diese  notwendig  war,  ist  bereits  oben  dargelegt;  sie  hat  aber  schließlich
  im  alten  Europa,  als  sie  ausartete  in  den  Köpfen,  wenn  auch  nicht
ausschließlich  in  denen  der  Sklaven,  eine.  Entwicklung  der  Ansicht  hervorgebracht,
  die  auf  Seite  der  Nichtsklaven  rein  idealistisch  war  und  schließlich
  zur  Aufhebung  der  Sklaverei  führte.  Bei  den  Sklaven  selbst,  die  sich
aber  nicht  allein  befreien  konnten,  mag  der  Drang  nach  Freiheit  immerhin
auch  einen  materialistischen  Beigeschmack  gehabt  haben.  Daß  die  Menschen
  dabei  durch  das  Christentum  mit  der  körperlichen  Freiheit  in  eine
geistige  Knechtschaft  geraten  sind,  soll  hier  nur  nebenbei  erwähnt  werden,
da  ich  darauf  im  nächsten  Abschnitt  näher  eingehen  werde.  Diese
Knechtschaft,  die  auch  noch  einmal  zur  Leibeigenschaft  und  Hörigkeit
geführt  hat,  hat  dann  für  Jahrhunderte  jeden  Fortschritt  unterbunden.
Und  erst  der  Erfinder  der  Dampfmaschine  hat  es  vermocht,  die  Menschen
  aus  geistiger  und  körperlicher  Knechtschaft  zu  befreien.  Die  Dampfmaschine
  und  der  von  ihr  großgezogene  Kapitalismus  hat  also  die
Menschheit  im  Bürgertum  und  in  der  Arbeiterschaft  nicht  in  die
Knechtschaft  geführt,  sondern  sie  im  Gegenteil  daraus  befreit.  Daß
der  jetzige  Zustand  noch  kein  vollkommener  ist  und  auch  nicht  sein  kann,
das  hat  nicht  wirtschaftliche,  sondern  philosophische  Gründe,  auf  die  ich
weiter  unten  zurückkomme.