— 225 —
für mich die Seligkeit verloren; der Papst hat sie für mich
nicht.“
Während der Kanzler in dieser Rede von der katholischen
Gemeinde sagt, sie sei „allenfalls in jedem ihrer
Glieder immer der Stein in dem Pflaster, auf welchem
der Priester steht“, habe aber „mit dem hochbau der Kirche
keine Beziehung und keine Verbindung“, erklärt er ein
andermal 46) von der evangelischen Kirche, sie sei „ohne
Gemeinde undenkbar“, und ihr könne nicht dadurch geholfen
werden, „daß man das Gewicht der Gemeinde
in ihr vermindert und das Gewicht der Geistlichkeit in
ihr vermehrt.“ Eigentümlich, daß Bismarck die auf Stärkung
des Einflusses der Gemeinde innerhalb der evangelischen
Kirche gerichteten Bemühungen nicht kräftiger
unterstützte, an der Durchsetzung der Gemeinde= und SUnodalordnung
keinen weiteren Knteil nahm und den hochverdienten
Dräsidenten des Oberkirchenrats herrmann
dem Ansturm der Hochkirchlichen ohne erhebliche Gegen—
wehr opferte. Ueberhaupt scheint die evangelische Kirchenfrage
den großen Staatsmann als eine zu nebensächliche
wenig beschäftigt zu haben. Wir finden auch in den „GEedanken
und Erinnerungen“ darüber nur die wenigen,
kühlen Andeutungen ½): „Die Erklärung der Jalkschen
Wirchenpolitik ist nicht ausschließlich auf dem Gebiete
des katholischen Kirchenstreites zu suchen; sie wurde gelegentlich
auch durch die evangelische Kirchenfrage gekreuzt
und beeinflußt. In dieser stand herr von Puttkamer
den am hofe wirksamen Kuffassungen näher als JSalk.“ —
„Den Bruch (Halks) mit Sr. Majestät führten die Streitig-Baumgarten,
Bismarcks Glaube. 15