Full text : Der Mündliche Vortrag. Dritter Teil. Schönheit des Vortrags. (3)

Vortrag  des  Lyrischen.

Halt,  der  ist  recht,  den  wähl'  ich.  Diesen  Säbel

Gab  mir  mein  edler  Vater  einst  vor  Wien,

Er  hat  die  erste  Ehre  mir  erkämpft,

Er  soll  mir  auch  um  meine  letzte  kämpfen.  —

Mit  dir,  du  wackrer  Stahl,  fecht'  ich  es  aus.

Was  auch  der  Himmel  über  mich  verhänge,

Ich  lege  meine  Finger  auf  dein  Eisen,

Schwöre:  lebendig  soll  mich  keiner  fangen

Und  mich  zum  Spott  des  Volks  durchs  Lager  führen!

Und  diesen  Eidschwur  lös'  ich  ritterlich,

So  wahr  mir  Gott  hilft  und  mein  ew'ger  Glaube!
Ich  mag  den  Panzer  nicht,

Die  freie  Brust  will  ich  dem  Feinde  bieten.

Was  soll  er  mir,  wenn  ich  dem  Tod,

Dem  unvermeidlichen  entgegengehe?

Den  Panzer  weg!  Mit  freier  Brust

Will  ich  zum  Kampf,  frei  will  ich  mich  bewegen,

Frei  meinem  Tod  ins  finstre  Antlitz  sehn.

Und  ohne  Panzerzwang  die  letzte  Arbeit

Des  blut'gen  Werkes  schnell  und  leicht  vollenden.

Mein  Leben  fällt  um  keinen  schlechten  Preis!  —
Ich  selbst  will  rasch  hinüber,  wo  der  Feind

Am  stärksten,  die  Gefahr  am  größten  ist.

Ich  will  doch  seh'n  wie  weit  die  Menschheit  frevelt,

Ob  sie  es  wagen  im  Entscheidungskampf

Den  vatermörderischen  Stahl  zu  schwingen.  —
O  triumphiere  nicht  zu  früh!  Hier  steht

Die  Klippe  fest,  wo  deine  Hoffnung  scheitert.

Ich  bin  der  Alte  noch,  an  meine  Fahnen

Hat  sich  der  Sieg  gewöhnt,  er  bleibt  mir  treu,

Und  Gottes  Zorn  kämpft  gegen  meine  Feinde.  —
Wo's  halsgefährlich  ist,  da  stellt  mich  hin.

Dem  Tell  verdank'  ich  mein  gerettet  Leben,

Gern  schlag'  ich's  in  die  Schanze  für  das  Land!  —
(Mit  einer  Färbung  von  Unmut.)
Nicht  ertrag'  ich's,

Indes  die  edle  Jugend  rings  umher

Sich  Ehre  sammelt  unter  Habsburgs  Fahnen,

Auf  meinem  Erb'  hier  müßig  still  zu  liegen,

Und  bei  gemeinem  Tagewerk  den  Lenz

Des  Lebens  zu  verlieren.  —  Anderswo

Geschehen  Thaten,  eine  Welt  des  Ruhms