Full text : Das Buch von unsern Kolonien.

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nommen,  denen  der  gute  Glaube  mehr  hilft  als  das  Mittel  selbst.  Wer
mit  wirklichem  Erfolg  bei  den  Eingeborenen  arbeiten  will,  der  wird  sich
dieses  Winkes  gewiß  mit  Vorteil  erinnern.

Ferner  besteht  ein  System  der  Freilassungen  von  Sklaven,  die  als
solche  nicht  vererbt  und  verkauft  werden  können.  Im  Jahre  1905  wurden
2825  Freibriefe  erteilt  und  4  Personen  wegen  Sklavenhandels  verurteilt.

Die  Regierungsschulen  in  Tanga,  Bagamoyo,  Mlingokini  und
Mbweni  mit  Hinterland=  und  Handwerkerschulen  zählen  zurzeit  etwa
3265  Schüler  und  48  Lehrlinge.  Die  Anstelligkeit  und  Lernbegierde  der
Eingeborenen  erfahren  großes  Lob.  Die  Koranschulen  haben  ihre  Tätigkeit
  eingestellt.

Es  läßt  sich  nicht  leugnen,  daß  wir  noch  immer  aus  dem  Rohen
nicht  heraus  sind.  Das  Wachs  z.  B.,  welches  zum  Export  gelangt,  wird
von  den  Eingeborenen  durch  Fällen  der  Bäume  gewonnen,  auf  denen
die  Bienen  nisten.  Mit  dem  Anbau  der  Baumwolle  will  es  nicht  recht
vorwärts  gehen,  obwohl  das  am  Rufidschi  gewonnene  Produkt  erstklassig  ist
und  mit  102  Mark  der  Zentner  bewertet  wird.  Das  kolonialwirtschaftliche
  Komitee  hat  jetzt  ein  paar  Lokomobilen  und  Dampfpflüge  dahin
gesandt.

Am  schlimmsten  ist  der  Mangel  an  Verkehrsstraßen.  Darunter
leiden  besonders  unfre  Seengebiete.

Ein  wertvolles  Ergebnis  der  kolonialen  Studienreise  unfres  Reichstagsabgeordneten
  Dr.  Arendt  ist  folgendes  Detail,  die  deutschen  Stationen
am  Viktoriasee  betreffend.  Der  gesamte  Handel  im  Seengebiete  stieg
innerhalb  zweier  Jahre  von  446  300  auf  3723392  Mark,  d.  i.  auf  mehr  als
das  Achtfache.  Diese  glänzende  Entwicklung,  die  sich  noch  fortsetzt,  ist
eine  Folge  der  Eröffnung  der  englischen  Ugandabahn  und  der  Eröffnung
einer  englischen  Dampfschiffahrt  auf  dem  Viktoriasee.  Die  Engländer
haben  dadurch  den  Handel  unserer  Kolonie  entwickelt;  ja  sie
haben  sogar  das  Geld  gegeben  für  den  Bau  des  Piers  in
Muanza.  Sonst  hätte  diese  Station,  die  1905  einen  Handel  von  fast
2½  Millionen  Mark  hatte,  noch  keine  ordentliche  Landungsgelegenheit.
Auch  haben  die  Engländer  eine  Automobil-Verbindung  zwischen  ihrer
Bahn  und  unserm  Kilimandscharo  hergestellt.  Unser  Verkehr  mit  diesem
gewaltigen  Entwicklungsgebiet  vollzieht  sich  immer  noch  auf  schmalem
Fußpfad,  wobei  die  Träger  je  60  Pfund  auf  dem  Kopfe  tragen.  Zum
Tanganyika  dauert  ein  solcher  Marsch  90  Tage.