Oeslerresch-Ungarn. 245
Oesterreich ihre Verbindlichkeit als Kirchengesetz fort, so lange und so weit der
Papst diese nämlichen Punkte nicht aufhebt oder abändert. Das ist der auf
dogmatischer Grundlage beruhende und unwandelbar feste Grundsatz, nach
dem wir uns zu richten haben... Daher hat sich die ehrwürdige Seelsorge-Geistlichkeit,
bis ich eine darauf bezügliche Weisung folgen lasse, in allen
Ehesachen genau so wie bisher auch fortan zu benehmen.. Es wäre
übrigens ein großer Irrthum, zu glauben, daß durch die neuen drei Gesetze
das Concordat nun schon ganz ausgehoben sei.
5. Juni. (Oesterreich). Reichsrath, Abg.-Haus: Nach dreitägigem Kampfe
über die Finanzvorlagen wird die Generaldebatte geschlossen.
Baron Tinti beantragt die Resolution: „Das Budget des nächsten Jahrs
derart abzufassen, daß derjenige Deficitrest, welcher nach Abzug des Ergebnisses
aus der Couponsteuer und aus der Unification der Staatsschuld noch
verbleibt, durch Ersparungen im Militärbudget gedeckt werden könne.“ Der
Antrag wird sofort von den Polen mit Heftigkeit bekämpst.
„ —15. Juni. Prinz Napoleon trifft zu längerem Besuche in Wien ein,
um wie früher die norddeutschen, so nun auch die österr. Zustände
aus eigener Anschauung kennen zu lernen.
6. Juni. (Oesterreich). Reichsrath, Abg.-Haus: Abstimmung über
*—
die Finanzvorlagen der Regierung. Das Ministerium macht aus der
Verwerfung der Majoritätsanträge eine Cabinetsfrage. Bei der Abstimmung
wird der Majoritätsantrag (25% Reduction) mit 113
gegen 46, in modificirter Fassung (25% Steuer) mit 100 gegen
58 Stimmen abgelehnt, dagegen der etwas modificirte Minoritätsantrag
mit großer Mehrheit angenommen: "„
„Sämmtliche Gattungen der fundirten allgemeinen Staatsschuld, ausgenommen
die Loose von 1854 und 1860 und das Steueranlehen von 1864,
werden in eine fünfprozentige einheitliche Schuld umgewandelt, die mit einer
16= (oder eigentlich im Zusammenhange mit den Modalitäten, unter welchen
die Unification stattfindet, mit einer 20)procentigen Steuer, welche nicht erhöht
werden kann, belastet wird."
„ (Oesterreich). Neichsrath, Abg.-Haus: Debatte über die Finanzvorlagen
der Regierung. Das Haus beschließt mit großer Mehrheit
über die vorgeschlagene Vermögenssteuer zur Tagesordnung überzugehen
und die Gewinnste bei Staatslotterien auf 20, bei Privatlotterien
auf 15% zu erhöhen.
„ (Oesterreich). Reichsrath, Abg.-Haus: Debatte über die Finanzvorlagen
der Regierung. Mit großer Mehrheit werden zwei Resolutionen
angenommen:
4) Die Regierung aufzufordern, behufs Bedeckung des Deficits für das
Budget von 1868 im Besteuerungswege schleunigst Vorlagen einzubringen;
2) die Regierung aufzufordern, behufs Bedeckung des Deficits der nächsten
Jahre schleunigst Vorlagen einzubringen, welche eine Reform der directen
Steuern, eine Erhöhung der Zuckersteuer und die Einführung der Klassensteuer
zum Gegenstande haben. 6
„ (Oesterreich: Böhmen). Die Agitation der Czechen durch Volksversammlungen
nimmt immer größere Dimensionen an und die Regierung
sieht sich genöthigt, solche zu verhindern.