27. Der dreißigjährige Krieg bis zum Gingreifen
Guffav Röolfs (1618— 1650).
Ye erste Aft diefer furchtbaren Tragödie fpielt in Böhmen.
Der Prager „Fenjterfturz“ war doch feine in augenblidlicher
Aufwallung begangene vereinzelte Gewalttat gemwejen: eine vorläufige
neue Regierung von dreißig Berjonen, an ihrer Spibe Wenzel
Wilhelm von Ruppa, wurde eingeiebt, da8 ganze Land war in
Aufruhr. Matthias Juchte einzulenfen, aber die energiiche PBartei,
die Erzherzoge Ferdinand und Marimilian, vollführten num eine
Art Staatöftreich gegen den feitherigen Leiter der faiferlichen Politif,
den Kardinal Kleil (20. Suli 1618): man bemächtigte fi mit Lift
feiner Berfon, entfernte ihn mit Gewalt aus der Nähe des
Kaifers und brachte ihn nach einem Schloß feines Feindes, des
Erzherzogg Marimilian. Mittlerweile waren die Feindfeligfeiten
an der Grenze Böhmens und des Herzogtums Öfterreich im Gange,
und im Herbft machte der Graf Thurn, unterftügt durch Söldner,
die Graf Ernft von Manzfeld gefammelt hatte, einen Einfall in3
Sfterreichiiche. Im folgenden März beichloß der böhmische Landtag
fraftoolle Rüftungen: in demfelben Monat, 20. März 1619, ftarb
Karjer Matthias, und der Erzherzog Ferdinand, den die böhmischen
Proteftanten, und mit Recht, als ihren Erzfeind anfahen, trat jebt
in den Vordergrund. Der Aufftand griff nah Mähren weiter,
und im Herzogtum, jebt feinem Erbe, war das Mißtrauen gegen
ihn, wie die proteftantischen Neigungen mächtig. Al im Juni Graf
Thurn mit dem böhmischen Heere bi vor Wien vordrang, jandte
man von proteftantiicher Seite am 6. Suni eine Deputation nad)
der Hofburg, die von Ferdinand die Bewilligung oder Beftätigung
der alten Freiheit der Neligionsübung verlangte. ALS
der Erzherzog nicht jofort nachgab, wurden die Herren ungeftiim,
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