Full text : Lehrbuch der Geburtshülfe für die Preußischen Hebammen.

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Dagegen  ist  das  Leben  des  Kindes  bei  ihnen  in  höherem
Grade  bedroht,  da  schon  eine  geringfügige  Verzögerung  der  Geburt
  nach  dem  Austritte  des  Steißes  verderblich  werden  kann.  Denn
nicht  nur,  daß  alsdann  durch  die  Zusammenpressung  der  Adern  in
der  bedeutend  verkleinerten  Gebärmutter  die  Zufuhr  hellrothen  Blutes
  zu  derselben  behindert,  und  daß  oft  schon  ein  größerer  Theil
des  Mutterkuchens  abgetrennt  ist  (s.  o.  §.  86.),  es  wird  die  Verbindung
  des  Kindes  mit  der  Mutter  auch  dadurch  gestört,  daß  die
neben  Brust  und  Kopf  hinaufgehende  Nabelschnur  im  Becken  mehr
oder  weniger  gedrückt  werden  muß.  Eine  Verzögerung  der  Geburt
ist  aber  um  so  mehr  zu  befürchten,  da  der  größte  und  härteste  Theil
des  Kindes,  der  Kopf,  zuletzt  kommt.  Am  ungünstigsten  sind
in  dieser  Beziehung  die  vollkommenen  Fuß=  oder  Knie--lagen.
  Denn  die  Füße  entfalten  den  Mutterhals  weniger  gut,  als
der  umfangreichere  Steiß;  die  Fruchtblase  tritt  gewöhnlich  wurstförmig
  und  tief  in  die  Scheide  herab  und  zerreißt  häufig,  ehe  der  Muttermund
  gehörig  erweitert  ist;  neben  den  Füßen  fließt  das  Fruchtwasser
  in  größerer  Menge  ab,  und  leicht  wird  die  Nabelschnur  mit
herab  gespült,  oder  durch  die  folgenden  Wehen  herabgedrängt,  da  sie
nicht,  wie  bei  den  Steißlagen,  durch  die  am  Bauche  hinaufsgeschlagenen
  Schenkel  zurückgehalten  wird;  endlich  können  bei  vorangehenden
  Füßen  die  schmaleren  Huften  während  ihres  Durchganges  die
Geburtswege  nicht  so  vollständig  erweitern,  als  es  durch  den  Steiß
zu  geschehen  pflegt;  Arme  und  Kinn  streifen  sich  deshalb  leicht  in
die  Höhe;  außerdem  werden  wegen  der  geringeren  Dehnung  der
mütterlichen  Geburtstheile  die  Wehen  nicht  im  gleichen  Maaße  angeregt,
  wie  bei  der  Steißgeburt,  und  so  entsteht  gerade  gegen  das  Ende
der  Geburt,  wo  ein  schneller  Fortgang  am  wünschenswerthesten  ist,
eine  bedenkliche  Verzögerung.  Günstiger  für  das  Kind  sind  die
Verhältnisse  bei  den  unvollkommenen  Fußlagen,  bei  welchen
die  Geburt  der  Steißgeburt  ähnlicher  verläuft.

8.  281.
Bei  jeder  Beckenlage  ist  die  Hebamme  verpflichtet,  auch  unter
sonst  günstigen  Bedingungen,  sogleich  auf  die  Herbeirufung  eines
Arztes  zu  dringen,  damit  derselbe  im  Falle  der  Noth  zur  Stelle