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schlimmsten, diese sollen noch ausgesetzt bleiben. Da sich nun gegen verschiedene
der amendirten Paragraphen doch manche Zweifel erhoben, denen Preußen
widersprach, so ist zum Montag den 28. dieses eine neue Sitzung anberaumt,
worin das Einverständnis festgestellt, quasi ein Strich gezogen werden soll,
„damit sind wir fertig, — dann soll wieder eine Pause von 14 Tagen bis
3 Wochen gemacht werden, wir nach Hause gehen und in der zweiten Hälfte
des Februar wieder nach Berlin, um die Sache fertig zu machen. Letzteres
ist also kurz vor der Eröffnung des Parlaments.
„Bei Tisch nach der Sitzung war alles sehr belebt, auch munter, viele
jedoch sehr dubiös, aber alle so von Sehnsucht nach Hause erfüllt, daß wir
beschlossen, uns sämtlich photographiren zu lassen und uns mit dem werten
Konterfei gegenseitig zu bedenken. So steht diese Angelegenheit heute abend
7 Uhr."
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5. Februar 1867.
„Daß ich gestern zum drittenmal glücklich hier angekommen, wird N. ge-
meldet haben. Heute konferirt mit v. Krosigk und im Hotel Royal mit fast
allen Kollegen gegessen und gut unterhalten. Der Darmstädter begrüßte mich
als Gutes verkündenden Zugvogel; nun werde es losgehen, denn ich müsse doch
einen Grund gehabt haben, überhaupt wiederzukehren! — Von dem, was
morgen los sein wird oder kann, weiß keiner ein Wort; heute war selbst-
verständlich nichts. Es heißt: ja, es werde morgen eine Sitzung sein und
sogar geschlossen werden. Andere sagen, das ist unmöglich, und wäre un-
würdig mit den Kleinen umgesprungen. Alle sind über die Art der Behandlung
aufgebracht und sprechen dies auch nun aus. So vorzüglich Krosigk,
Seebach, Harbou, Rössing, Campe, Lauer! Daß dagegen übermorgen eine Ein-
ladung zum Kronprinzen erfolgen werde, wußte jeder. Soeben läuft die Karte
ein! Assemblée. Da werden wir wohl hinmüssen.“
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6. Februar 1867.
„Bis Mittag noch keine Einladung zu einer Sitzung! Lothar Bucher
hat recht. Jeder meiner Kollegen ist außer sich über die ihnen aufgedrungene
Bummelei. Es ist also bis jetzt jeder Tag dem andern gleich.“
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Am 7. Februar 1867 erfolgte der heiß ersehnte Schluß der Bevoll—
mächtigtenkonferenz zur Beratung des Verfassungsentwurfs und am 24. Februar
1867 die Eröffnung des konstituirenden Reichstags. Sintenis kam zu den Be-
ratungen der Beschlüsse desselben erst am 10. April nach Berlin, also zu einer
Zeit, wo es galt, zu den Amendements des Reichstags zum Verfassungsentwurf
Stellung zu nehmen.