Full text: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 3. (3)

Streben Rußlands, von der Schwarzmeerklausel loszukommen. 107 
wenn es soweit kommt, alle diese Rodomontaden vergessen haben, und genau tun, wie der 
Kaiser tut, und, in Erwartung österreichischer Orden, eher noch mehr. 
Mit der ausgezeichnetsten Hochachtung verharre ich ... 
93. Vortraulicher Bericht vom 7. September  1860 an Minister 
v. Schleinitz, betr. die beabsichtigte Monarchenzusammenkunft  in War- 
schau. Einzelheiten über die Feier des 18. August. Falsche Nachricht betr. 
die Regimenter König Friedrich Wilhelms III. und des Kaisers Franz. — 
Vgl. Raschdau I 154 ff. 
94. Bericht vom 7. September 1860 an den Prinzregenten. 
Die am 5. d. M. ausgesprochene Vermutung findet durch ein Gespräch mit 
Gortschakow Bestätigung. Gortschakow beansprucht für sich die Urheberschaft 
des Gedankens, Vorsichtsmaßregeln gegen einen europäischen Brand zu 
treffen. Seine Kritik an dem französischen Minister des Auswärtigen. Er 
verlangt von Frankreich hinreichende Bürgschaften für seine Zuverlässigkeit. 
Die „entehrenden“ Fesseln des Pariser Friedens. Da Gortschakow gegen die 
Verläßlichkeit der napoleonischen Politik in Italien geäußerte Bedenken ab- 
lehnt, sind diese Bürgschaften auf einem andern Gebiet zu suchen. Sobald 
Frankreich die Unmöglichkeit eines Bündnisses mit England einsieht, wird es 
wahrscheinlich, daß Rußland auf Frankreich einen Druck in seinem Sinne 
ausüben kann. Möglichkeit, daß Rußland noch weitere Ziele als die Re- 
vision des Pariser Friedens verfolgt. Der sardinische Gesandte bisher von 
Gortschakow verhindert, Rußland Mitteilung von den Annexionen zu machen. 
— Vgl. Raschdau I 157 ff., 242 ff. 
95. Privatschreiben an. Minister v. Schleinitz. 
8. September/27. August 1860. 
Verehrtester Freund und Gönner, verzeihen Sie mir, wenn ich in den beiden letzten 
Immediatberichten¹) breite Konjunkturalpolitik treibe, wie ein Zeitungsschreiber, anstatt 
feste geschäftliche Tatsachen zu melden. Die Dinge werden sich erst noch abklären und 
erkennbarer werden müssen. Unzweifelhaft ist Montebello in einiger Sorge, daß Italien 
und das allgemeine Mißtrauen der Höfe Unheil heraufbeschwören können, nicht nur über 
Napoleon, daraus macht er sich weniger, sondern über Frankreich und dessen Bot- 
schafterposten. Gortschakow meint, mit Montebello würde er sich sehr leicht einigen, 
aber der Thouvenell den findet er nicht à la hauteur. Wenn ein englischer Korrespon- 
dent alle die sprudelnden Ergüsse mit angehört hätte, so wäre wieder eine politische See- 
schlange fertig, in Gestalt einer kontinentalen Koalition gegen England, oder, wenn 
Preußen sich weigert, eine neue Auflage des Schwarzenbergschen Drei-Kaiserbündnisses 
von 1851 gegen die beiden revolutionären Protestanten: Preußen und England, diesmal 
vergesellschaftet mit dem Türken, der die Zeche in erster Linie zu bezahlen hätte. Aber 
die Pläne der Politiker sind meiner geringen Erfahrung nach immer viel hausbackener, 
1) Nr. 91 u. 94.