Bedenken Italiens gegen Verbindung mit Ungarn. Mission Pfuel. 549
Weisung versehen sein, um im Falle der Ablehnung sogleich nach der von Ihnen empfangenen
Benachrichtigung die militärische Aktion beginnen und die Befehle Seiner Majestät des
Königs ausführen zu können.
Unter den letzteren wird sich auch der Befehl finden, mit dem Einrücken der Truppen
die Proklamation des Prinzen Friedrich Wilhelm von Hessen als Mitregenten zu verbinden,
welchem wir die Verwaltung des Landes sofort übergeben, und bei welchem Ew. pp. Ihre
Funktionen einstweilen faktisch fortsetzen werden.
400. Telegramm an den Gesandten in Florenz Grafen von Usedom.
[Eigenhändiges Konzept.]
Am 12. Juni meldete Graf Usedom, daß er Bismarcks „ungarische Proposition“ (vgl.
Nr. 386) vor La Marmora gebracht habe, daß dieser aber, obwohl er früher selbst Preußen in der
ungarischen Frage vorwärts zu treiben gesucht hatte, jetzt Ausflüchte mache und an eine
Insurrektion in Ungarn gar nicht glaube.
Berlin, den 13. Juni 1866.
Bestehn Sie energisch auf Anknüpfung der Beziehungen mit dem ung[a]rischen
Comite. Die Weigerung La Marmora's lähmt. unser Vertrauen zu dem Ernste Italiens.
Sprechen Sie in dem Sinne mit Ricasoli u[nd] wenn es sein kann, mit dem Könige. Wir
wollen Anfangs nächster Woche die Feindseligkeiten eröffnen, stutzen aber Angesichts dieser
uns unerklärlichen Bedenken Italiens gegen die Verbindung mit Ungarn. Unsre Sorgen
darüber finden Nahrung in dem Festhalten Italiens an der Idee eines unfruchtbaren Be-
lagerungsfeldzugs gegen das Festungs-Viereck.
Ungenau bei Stefan Türr, Fürst Bismarck und die Ungarn. Deutsche Revue, XXV, I, 317 f.
401. Telegramm an den Botschafter in Paris
Grafen von der Goltz.
[Eigenhändiges Konzept.]
Am 14. Juni hatte Graf Goltz gemeldet (unter Nr. 5), daß der wieder in Paris eingetroffene
General Türr nach Bukarest reisen wolle, um eine Verbindung des neugewählten Fürsten Carol von
Hohenzollern mit der ungarischen „Revolutionspartei herbezuführen. Der rumänische Vertreter
in Paris wünsche zu wissen, ob dies der preußischen Regierung genehm sei, um eventuell dem
General Türr Empfehlungsschreiben mitzugeben.
Berlin, den 14. Juni 1866.
Antwort auf Nr. 5. Türr.
Es ist uns im höchsten Grade erwünscht, ich habe zu demselben Zwecke H. von Pfuel
nach Belgrad u[nd] Bukarest geschickt,¹ der aber, weil er nicht mehr durch Oestreich
kann, über Constantinopel erst in 10 Tagen dort ankommt. Nach meiner Abrede sollte
Türr nach Belgrad gehn u[nd] ein andrer General nach Bukarest. Ungarn ist fast ohne
Truppen u[nd] die kleinste nationale Diversion daselbst von großem Gewichte.
H. Wendel, Bismarck und Serbien im Jahre 1866, S. 86.
1 Über die Mission des Legationsrats v. Pfuel nach Belgrad und Bukarest vgl. H. Wendel a. a. O.,
S. 43 ff. Schon am 30. Mai hatte Bismarck an den Konsulatsverweser in Belgrad, Laubereau, telegraphiert:
„Falls der Krieg ausbricht, kann uns die Bildung eines Slavischen Korps nur erwünscht sein. Zu direkter
materieller Unterstützung scheint mir die Sache aber noch nicht reif zu sein.“