Volltext: Bismarck Die gesammelten Werke. Band 6b. (6b)

122 Unjuverlässigkeit des bayrischen Vertreters in Nom. 
Ew. pp. erlaube ich mir zu geneigter Erwägung zu stellen, wie sehr eine solche leicht- 
fertige Mißachtung von Privatrechten und ein so anmaßliches Verfahren gegen berechtigte 
Reclamationen dem Staate gegenüber, der für seine Behörden verantwortlich gemacht wird, 
den SGeist der Verstimmung ulnd) des Mißtrauens nähren muß, mit dem wir bei den Wahlen 
und in den Volksvertretungen zu kämpfen haben“". Wenn mir das begegnet, so mögen Ew. 
pp. ermessen, wie willkürlich mit andern umgegangen werden mag. Ich selbst muß nach der 
Wirkung, die der Hergang auf mich bat, ein Gefühl, daß man sich der Regierung gegenüber 
auf den Fuß mißtrauischer Verteidigung' zu stellen habe, bei den äbnlich Betroffenen ganz 
natürlich finden. 
Indem ich mir den ANechtsweg zur Wiederholung des früheren Suftandes vorbehalte, 
trage ich ergebenst darauf an, die beteiligten Beamten disziplinarisch ur Verantwortung zu 
ziehen und mir von dem Erfolg Kenntnis zu geben. 
*1424. Erlaß an den Gesandten in München 
Freiherrn von Werthern. 
[Kontept von der Hand des Vortragenden NRats Bucher.] 
Gu den Angelegenbeiten, denen Bismarck auch in seiner Varziner Abgeschiedenheit ein 
starkes Interesse juwandte, gehörte die von dem Sürsten Hohenlobe —·* Aktion der 
Vertraulich. Berlin, den 1. Augufst 1869. 
Aus ganz verläßlicher Quelle geht uns die Mitteilung zu, daß der baprische Gesandte 
von Sigmund in Vom eine Michtung verfolgt, welche der Haltung seiner Regierung in der 
Konzjilfrage in Keiner Weise entspricht. Wenn er nicht ultramontan ist, so hält er sich 
wenigstens so, daß er jeden Augenblick ohne große Beränderung der Farbe zu den Ultra- 
montanen übergeben kann. Er leugnet es gar nicht, daß er den Sturz des Ministeriums 
Hohenlohe wünsche und hoffe und hat die spöttische Außerung des Kardinal Antonelli: „Ab, 
le prince Hohenliche veut faire le théologien!“ ohne Abweisung, vielmehr mit dem Anschein 
der Befriedigung bingenommen. 
Wenn unser Gewährsmann noch einer Garantie bedurfte, so würde sie darin liegen, daß 
der Graf Bismarck den Herrn von Sigmund von EFrankfurt her als unaufrichtig und un- 
zuverlässig kennt. 
Wir enthalten uns in der Aegel jedes Versuches, die Vorgesetzten fremder Diplomaten 
zu beeinflussen; da wir aber in dieser Sache ein gemeinschaftliches Interesse mit dem Sürsten 
ODx Satz ist weithin durch eigenbändige Korreturen Biemarchs bestimmt. 
* Die Worte: nauf den Suß mißtrauischer Verteidigung .. eigenböndige Korrektur Bismarcks statt 
Buchers: „auf Verkeldigung .